Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Flug über die Dolomiten

Mit dem Motorsegler über der Marmolada


Vier Mitglieder des Aeroclub 77, Hans und Uwe Wirtz, sowie Miguel Rubia und Christian Müssemeyer, nutzten das Pfingstwochenende und flogen über die Alpen nach Cremona in Norditalien. Auf dem Rückflug überflogen sie die höchsten Gipfel der Dolomiten. Hier ihr Bericht:


Wir hatten den Flug nach Cremona schon lange geplant. Die Strecke war längst festgelegt worden, wir wollten über Leutkirch im Allgäu durch die Alpen über den Brennerpass nach Cremona in Norditalien fliegen.


Wir starteten am 29.05.04 um 9.00 Uhr in Mönchengladbach und flogen zuerst nach Koblenz, um dort aufzutanken. Die Luft war seidenweich, wir hatten das Gefühl, in einem Jet zu fliegen. Nach 45 Minuten Flugzeit erreichten wir Koblenz , tankten dort auf und flogen anschließend weiter nach Leutkirch.


Nach dem Start in Koblenz flogen wir am schönsten Teils des Rheins entlang, vorbei an Boppard, der Loreley direkt zum Binger Loch. Die Sicht war hervor-ragend, Miguel nutzte dieses für Filmaufnahmen mit seiner CD-Kamera.


Hinter dem Binger Loch ging es über den Rheingau am Donnersberg vorbei über Speyer Richtung Karlsruhe. Weit links von uns konnten wir den Rhein und rechts von uns den Pfälzer Wald sehen. Von Karlsruhe folgten wir der Autobahn nach Stuttgart. Hier mussten wir die Kontrollzone des Stuttgarter Flughafens durchqueren, der Controller ließ uns über den Flughafen direkt nach Süden weiterfliegen.


Nun überflogen wir über die Schwäbische Alp, wo heftige Thermik eingesetzt hatte, die uns kräftig durchschüttelte und nach oben pustete. Nach zwei Flugstunden waren wir in Leutkirch im Allgäu, tankten die Maschine auf und nutzten die Zeit, für eine Brotzeit (echt bayrisch). Kurz vor drei Uhr starteten wir mit beiden Flugzeugen, einer Grob, G-109b, einem Kunststoff-Motorsegler, und einer Katana, einem Kunststoff-Motorflugzeug, zum Flug über die Alpen. Wir flogen übers Allgäu, einer hügeligen, grünen Landschaft, wo sich Wiesen und kleinere Wälder abwechseln, Richtung Füssen.


Schon von weitem sahen wir den Forggensee und damit auch den Einflug in die Alpen. Wir hatten eine Höhe von 5.000 Fuß erreicht und mussten durch die Täler fliegen, um über die Alpen zukommen, weil unsere Flughöhe nicht ausreichte, um über die hohen Alpengipfel zu fliegen. Unsere Flugroute führte an Reute vorbei über den Fernpass, links vor uns lag die Zugspitze, unten der Eibsee. Links und rechts von uns lagen die schneebedeckten Berge der Lechtaler Alpen. Kurz vor dem Mimminger Gebirge setzten wir den Blinker rechts, bogen nach rechts ab, flogen parallel zum Mimminger Gebirge, um dann nach links in das Inntal abzubiegen. Wir waren nun kurz vor der Kontrollzone von Innsbruck, meldeten uns beim Controller und flogen dicht an der Südkette des Inntals entlang, dem Inn folgend, bis nach Innsbruck. Beim Patscherkofel bogen wir rechts ab und folgten der Autobahn bis zum Brennerpass. Wir flogen immer dicht an den Hängen, weil wir hier Hangaufwinde fanden, die uns nach oben drückten. Den Brennerpass überflogen wir in einer Höhe von 7.000 Fuß, es ging weiter nach Sterzing, danach mussten wir nach links abbiegen, die Autobahn verläuft hier durch ein äußerst enges Tal und wir waren froh, hoch über diesem Tal fliegen zu können.


Während des gesamten Fluges hatten wir eine tolle Sicht auf das gesamte Panorama der Ostalpen. Der Rosengarten, das Sellagebirge und der Langkofel waren klar zu erkennen. Oben auf den Gipfeln lag Schnee, darunter beeindruckten uns zerklüftete Felsen und Wälder.


Nach Bozen folgten wir dem Etschtal nach Trient und dem Gardasee. Hier wurde die Sicht deutlich schlechter als vorher. Dank der Sattelitennavigation (GPS) war die Navigation für uns kein Problem. Wir umflogen die Stadt Brescia nördlich und waren dann über der fruchtbaren Poebene. 15 Minuten später landeten wir in Cremona.


Dieser Flugplatz war Treffpunkt für die Piloten des Club Fournier International (CFI). In diesem Verein sind Piloten aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien, Niederlande und Großbritannien. Der CFI aus Italien hatte hier ein Treffen organisiert. Eine deutsche Gruppe mit 13 Flugzeugen traf am Abend in Cremona ein. Diese Gruppe war zuvor durch die Türkei geflogen und nun auf dem Rückflug. Es gab ein großes Wiedersehen und natürlich viele Fragen.


Am nächsten Tag erkundigten wir uns bei der Flugwetterwarte in München nach dem Wetter für den Rückflug. Uns wurde gesagt, wir könnten am Pfingst-sonntag die Alpen überqueren, am Pfingstmontag würde dieses unmöglich wer-den, da ein Schlechtwettergebiet im Anzug war.


Daraufhin entschlossen wir uns, unseren Italienreise zu verkürzen und die Zeit zu einem Dolomitenrundflug zu nutzen, um dann anschließend gleich nach Hause zu fliegen. Dank der Führung eines einheimischen CFI-Piloten, Fausto Tumiati, war dieser Flug für jeden beteiligten Piloten ein unvergessliches Airlebnis.


Fausto flog mit seinem Motorsegler, einer RF-4, vorweg und führte uns zunächst zum Gardasee. Dort mussten wir mit aller Motorkraft Höhe gewinnen und hatten hinter Trient Richtung Cavalese eine Höhe von 8.000 Fuß. Diese Höhe erreichten wir einerseits durch die Motorleistung, die jedoch mit zunehmender Höhe immer geringer wurde, andererseits durch heftige Aufwinde. Diese waren teilweise so kräftig, dass wir heftig durchgeschüttelt und mit mehr als 7 m/sec nach oben gehoben wurden. Wir erreichten schließlich eine Höhe von über 12.000 Fuß und waren nun über allen Gipfeln.


Von Cavalese flogen wir ins Fassatal, links schauten wir auf den Rosengarten, vor uns lag das Sellagebirge. Wir waren nun über den bekannten Skigebieten der Sellaronda, es ging vorbei an Canazei, links war deutlich der Langkofel zu sehen, rechts vor uns lag der höchste Gletscher der Dolomiten, die Marmolada. Hier bin ich im Frühjahr mit dem bekannten bayrischen Skilehrer Gogi und der rasanten Skifahrerin aus Kaarst, Conny, zum Skifahren gewesen und kannte deshalb die Gegend von unten recht gut. Allerdings sieht alles ganz anders aus, wenn man über den Gipfeln fliegt und diese von oben sieht.


An der Marmolada flogen wir in Gipfelhöhe (Augenhöhe) direkt an der oberen Seilbahnstation vorbei. Es war ein erhebendes Gefühl, mit einem kleinen 80 PS starken Flugzeug über der Marmolada zu schweben. Von hier ging es weiter Richtung Cortina d’ Ampezzo, rechts vor uns lagen die Drei Zinnen. Wir flogen nach links in das Tal in Richtung Brunneck, und sahen den links von uns liegende Kronplatz. Diesen kenne ich vom Skifahren nur als weißen Kegel. Jetzt war zwar alles grün, er war jedoch durch die vielen Liftanlagen gut zu erkennen.


Von Brunneck flogen wir über die Wilde Kreuzspitze, direkt zum Brennerpass. Hier verabschiedete sich Fausto, wir bedankten uns für diesen hervorragenden Flug. Wir schwebten mit 12.000 Fuß Höhe über allen Gipfeln und fühlten uns wie die Könige der Lüfte. Mit dieser Höhe konnten wir direkt über die Stubaier Alpen weiter Richtung Reute fliegen. Die Sicht betrug 200 km, wir schauten über die gesamten Westalpen, deren schneebedeckte Gipfel von der Sonne rötlich angestrahlt wurden.


Nach 25 Minuten erreichten wir Reute und mussten nunmehr unsere große Höhe von 12.000 Fuß wieder abbauen, um auf dem Flugplatz Biberach an der Riss landen zu können. Wir setzten die Höhe in Geschwindigkeit um und flogen, bedingt durch die große Höhe, Geschwindigkeiten über Grund von mehr als 230 km/h. Dank dieser hohen Geschwindigkeit erreichten wir den herrlich gelegenen Flugplatz Biberach an der Riss schon nach einer halben Stunde, landeten dort, tankten die Flugzeuge auf und nutzten die Zeit zum Kaffee trinken.


Von Biberach an der Riss ging es über Stuttgart und Karlsruhe wieder zurück nach Koblenz zu einem Tankstopp und von Koblenz direkt nach Mönchen-gladbach.


Auf dem Flug von Koblenz nach Mönchengladbach setzte leichter Nieselregen ein, der uns jedoch nicht weiter störte, weil die Sicht noch ausreichend war. Als wir uns kurz vor dem Pflichtmeldeturm Golf beim Controller in Mönchengladbach meldeten, freuten sich diese über die Rückkehr der beiden einheimischen Flugzeuge. Prompt wurde uns eine Einflug- und Landegenehmigung erteilt.


Dieser Flug war ein Erlebnis, der als besonderer Höhepunkt jedem der beteilig-ten Piloten im Gedächtnis bleiben wird.


Die Piloten des Aeroclub 77 unternehmen zahlreiche dieser Flüge. Wer Informationen haben oder selbst einmal mitfliegen möchte, erhält diese unter www.aeroclub77.de



Christian Müssemeyer



 

Cremona 2004