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Mönchengladbach



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Deutschlandflug des CFI 2000

In der Zeit vom 22. bis 30. Juli nahmen mehr als 20 Motorsegler der Mitglieder des CFI an einem Deutschlandflug teil. Neben den deutschen waren auch 7 französische und 2 italienische Motorsegler dabei.

Samstag, 22. Juli 2000
Am Samstag trafen die meisten Motorsegler in Speyer, dem Anfangspunkt des Deutschlandfluges, ein. Am nächsten Tag sollte es über Konstanz und einem Flug entlang der Alpen nach Vilshofen gehen.

Sonntag, 23. Juli 2000
Der ursprüngliche Plan, über Konstanz und entlang der Alpen zu fliegen, musste aufgegeben werden, weil das Wetter südlich von Speyer zu schlecht war. Man entschloss sich, gleich nach Vilshofen zu fliegen. Diese Entscheidung stellte sich als richtig heraus, denn das Wetter südlich von Speyer war wirklich sehr schlecht. Einige Motorsegler waren direkt nach Konstanz geflogen, diese Piloten hatten Schwierigkeiten wegen der schlechten Sicht. Alle Motorsegler trafen bis 18.00 Uhr in Vilshofen ein. Als besondern günstig erwies sich die nahe Lage des Flugplatzes zum Ortskern von Vilshofen. So konnten die Teilnehmer zu Fuss zu dem auf der anderen Seite der Donau gelegenen Stadtfest gehen.

Montag, 24. Juli 2000
An diesem Tag ging es von Vilshofen nach Pirna. Da die Tschechische Republik nicht überflogen werden durfte, musste ein kleiner Umweg über Hof in Kauf genommen werden. Die Basis war ausserordentlich tief, ferner gab es zahlreiche Regenschauer. Deshalb entschlossen sich die meisten Piloten, über die erste Wolkenschicht zu gehen. Dieses war völlig unproblematisch, zumal Patrick Faucheron, der voran geflogen war, über Funk mitgeteilt hatte, dass das Fliegen über der ersten Schicht völlig problemlos war. Der Flug lief, nachdem Hof erreicht worden war, entlang des Erzgebirges. Die Sicht wurde immer besser. In Pirna war ausgezeichnetes Wetter. Dort hatte Hermann Arndt vom CFI alles bestens vorbereitet. Die Piloten erwartete eine Tomatensuppe sowie ein kleiner Imbiss. Danach stand bereits ein Bus bereit, mit dem eine Besichtigungstour von Dresden unternommen wurde. Abends gab es ein Eventessen im Sophienkeller in Dresden. Die Qualität und das Ambiente waren ausserordentlich beeindruckend.

Dienstag, 25. Juli 2000
An diesem Tag ging es von Pirna nach Heringsdorf. Da Berlin ungefähr in der Mitte lag, nutzten Ingrid und ich dieses aus, um über Berlin zu fliegen. Es war völlig unproblematisch, über den westlichen Einflugspunkt Whisky 1 entlang der Avus zum (alten) Berliner Funkturm entlang der Strasse des 17. Juni zum Alexanderplatz und dort über Echo 1 wieder auszufliegen. Die Flugsicherung war ausserordentlich kooperativ und höflich. Wir durften sogar zwecks Fotoaufnahmen einige Kreise über dem Zentrum von Berlin drehen. Vom Alexanderplatz flogen wir entlang der Eisenbahnlinie zum Ausflugspunkt Echo 1. Der Weiterflug nach Heringsdorf erfolgte wiederum über der ersten Wolkenschicht. Glücklicherweise hörten die Wolken kurz vor Usedom auf, so dass auch hier eine Landung völlig unproblematisch war. Von Heringsdorf fuhren wir mit einem Bus nach Peenemünde. Dort konnten die Anfänge der Raketentechnik bewundert werden.



Mittwoch, 26. Juli 2000
An diesem Tag flogen wir von Heringsdorf nach Heide-Büsum. Da das Wetter morgens schlecht war, konnte erst um 14.00 Uhr gestartet werden. Nach dem Start stellte sich schon bald heraus, dass das Wetter besonders gut wurde, so dass auch der Flug nach Heide-Büsum entlang der Ostseeküste über Rostock und Lübeck sehr schön war. Hamburg wurde nördlich umflogen. Anschliessend landeten alle Maschinen in Heide-Büsum. Der Flugleiter hatte eine solche Invasion von Motorseglern noch nie erlebt, er war offensichtlich überfordert und mit seinem Latein am Ende. Der Flugplatz von Heide-Büsum liegt direkt an einem Bahnhof, so dass man mit dem Zug nach Büsum fahren konnte. Einige wagemutige Mitglieder nutzten diesen Tag, um in der Nordsee zu baden.

Donnerstag, 27. Juli 2000
An diesem Tag war ein Flug von Heide-Büsum nach Oehna geplant, um von dort am nächsten Tag nach Berlin-Tempelhof zu fliegen. Da Ingrid und ich zuvor bereits Berlin überflogen hatten, wurde der Flug so geplant, dass nunmehr alle Mitglieder diese Möglichkeit erhalten sollten. Es gab insgesamt 3 Gruppen, in der ersten Gruppe flogen zwei G-109 und zwei französische RF-10 mit den Piloten Louis Gillot und Guy Biard. Diese Maschinen brauchten aufgrund ihrer hohen Tankkapazität nicht zu tanken, sondern konnten direkt über Straussberg und Echo 1 in die Kontrollzone und anschliessend nach Oehna fliegen. Nach dem Start in Heide-Büsum war es anfangs noch diesig, es konnte jedoch in einer Höhe von 1.000 ft geflogen werden. Der Flug verlief entlang der Küste, dann wurde bei Brunsbüttel die Elbe überquert. Danach umflogen wir südlich die Kontrollzone von Hamburg. Das Wetter wurde immer besser. Die erste Gruppe flog zum VOR Brunkendorf und von dort nördlich um die Kontrollzone von Berlin. Es ging weiter bis zum östlich von Berlin gelegenen Flugplatz Straussberg. Von hier aus erfolgte der Einflug in die Kontrollzone von Berlin.

Wir hatten uns bei Berlin Tempelhof als Formation gemeldet, so dass nur ein Pilot den Funksprechverkehr durchführte. Die Kooperation mit der Berliner Luftaufsicht war beeindruckend. Wir durften über Berlin Kreise fliegen, um Fotos aufzunehmen. Der Flugweg verlief von Straussberg genau entlang der Eisenbahnlinie zum Alexanderplatz. Von dort zwischen den Flughäfen Tempelhof und Tegel bis zum ICC entlang der Avus nach Whisky 1. Da ich selbst 9 Jahre im damals geteilten Berlin gelebt habe, war für mich der Flug über Berlin ein Erlebnis von dem ich in meiner Berliner Zeit immer nur geträumt habe. Die räumliche Ausdehnung ist schon beeindruckend, von Ost nach West sind es etwa 50 Kilometer. Beeindruckend ist auch wie viel Grünflächen und Wald es in der Stadt gibt. Im Südosten war der Müggelsee, im Norden der Tegler See und im Westen der Wannsee deutlich zu erkennen. Besonders beeindruckend sind die nach der Wiedervereinigung vorgenommenen Veränderungen in der Mitte Berlins, dem Potsdamer Platz. Ich kenne diesen Platz nur als völlig kahlen Platz auf dem kein einziges Haus und kein einziger Baum stand. An der Westseite des Potsdamer Platzes verlief die Berliner Mauer. Hinter der Mauer war Niemandsland, das weder von Westberlinern noch von Ostberlinern betreten erden konnte. Nunmehr ist und wird dieser Platz völlig neu bebaut. Als wir am nächsten Tag nach Berlin-Tempelhof geflogen sind haben wir anschliessend das Sony Center und das Daimler Chrysler Building besichtigt. Auf dem Daimler Chrysler Building ist eine Aussichtsplattform, von hier aus hat man einen tollen Ausblick über die Mitte Berlins. Da wir auf unserem Flug über Berlin einige Kreise drehen konnten, hatten wir Gelegenheit uns von oben alles genau anzusehen.



Die Navigation über Berlin war einfach. Die Eisenbahnlinie von Straussberg nach Berlin Mitte ist eine nicht zu übersehende Leitlinie. Der Fersehturm am Alexanderplatz ist von weitem zu erkennen. Von dort führt die Strasse Unter den Linden durch das Brandenburger Tor in die Strasse des 17 Juni. Diese Strasse verläuft in Ost West Richtung und endet am (alten) Berliner Funkturm. Dieser ist lediglich 150 m hoch und steht direkt neben dem Internationalen Congress Center. Von hier aus führt die als Autobahn ausgebaute Avus nach Südwesten direkt zum Ausflugpunkt Whisky 1.

Nachdem wir uns über Berlin sattgeflogen und die Berliner Kontrollzone über Whisky 1 verlassen hatten, flogen wir anschliessend nach Potsdam. Potsdam liegt in keiner Kontrollzone und eignet sich deshalb gut für Sightseeing. Wir haben einige Kreise über Schloss Sansoussi gedreht und sind anschliessend nach Oehna weitergeflogen. Die anderen Motorsegler waren in Stendal zwischengelandet und wurden dort betankt. Anschliessend flog die 2. Gruppe, bestehend aus 5 Flugzeugen über Berlin, eine weitere 3. Gruppe, bestehend aus 7 Flugzeugen folgte. Da die 1. Gruppe sehr viele Kreise über Berlin flog und damit relativ viel Zeit verlor, wurde sie von der 2. Gruppe eingeholt. Die Flugsicherung wies immer nur darauf hin, dass jede Gruppe auf die andere Gruppe aufpassen sollte. So befanden sich zeitweise 12 Flugzeuge der CFI Mitglieder in einem Luftkampf über Berlin.



Abends landeten alle Motorsegler wieder in Oehna. Die Begeisterung, insbesondere der französischen Piloten, war ausserordentlich hoch. Sie teilten mit, es wäre völlig unmöglich, über Paris so zu fliegen, eine solche Erlaubnis würden sie nie erhalten. Abends gab es in Oehna ein sehr gutes Buffet zu einem wirklich akzeptablen Preis (DM 16,00).

Freitag, 28. Juli 2000
An diesem Tag war ein Flug zum Flughafen Berlin-Tempelhof geplant. Die Gruppe wurde von Michael angeführt, der in Oehna fliegt und in Berlin wohnt. Er hatte vorher mit der Flugsicherung abgesprochen, dass alle Motorsegler hintereinander als eine Gruppe fliegen und dass nur einer den Funkverkehr übernimmt.

So startete die Gruppe Richtung Oehna, die Wetterverhältnisse waren ausreichend, um über Berlin zu fliegen. Der Einflug erfolgte über Whisky 1 entlang der Whisky-Route. Als die Motorsegler im Gegenanflug nach Tempelhof angekommen waren, bekamen alle sofort eine Freigabe für beide Bahnen, die Gruppe teilte sich immer nach Absprache auf, einer landete auf der linken Bahn, der andere auf der rechten Bahn, so konnten alle 21 Flugzeuge innerhalb von 5 Minuten landen. Es hat wahrscheinlich noch nie so viele Landungen in so kurzer Zeit gegeben, auch nicht während der Luftbrücke. Die Gruppe rollte dann auf eine extra hierfür gemähte Wiese. Hier wurden die Flugzeuge abgestellt. Da einige Mitglieder über Nacht bleiben wollten, konnten die Flugzeuge hier auch stehen bleiben.

Die Gruppe teilte sich, da 12 Piloten sofort wieder zurückfliegen wollten. 9 Piloten blieben in Berlin und unternahmen dort eine Besichtigungstour. Interessant war das neue Zentrum von Berlin, insbesondere der Potsdamer Platz, der Reichstag sowie die Friedrichstrasse. Ich selbst habe 9 Jahre in Berlin gewohnt und kenne den Potsdamer Platz nur, als dort kein einziges Haus stand, weil alles abgerissen oder zerstört war. Beeindruckend ist insbesondere das Sony-Center mit seinem riesigen Brunnen in der Mitte und den vielen Restaurants rings herum. Anschliessend konnte eine Aussichtsplattform des Daimler-Chrysler-Gebaudes bestiegen werden. Von hier hat man einen phänomenalen Rundblick von der Mitte Berlins zu allen Seiten. Es ging weiter zum sogenannten Mauermuseum, in dem sehr gut dargestellt war, wie Berlin einmal aussah, als es die Mauer noch gab. Für unsere ausländischen Gäste war dies sehr beeindruckend. Hervorzuheben ist, dass alle Beschriftungen und Erklärungen sowohl in deutsch, englisch und französisch vorhanden waren, so dass es keinerlei Verständnisprobleme gab.

Samstag, 29. Juli 2000
An diesem Tag war geplant, dass der Rest der in Berlin verbliebenen Truppe über Oehna zurückfliegt. Von Oehna sollte dann der Heimflug zu den jeweiligen Heimatflugplätzen erfolgen. Das Wetter war morgens schlecht, der Wetterbericht sagte jedoch, das fliegbares Wetter kommen würde. So trafen wir uns um 11.00 Uhr. Gegen 12.45 Uhr waren wir startbereit. Wir starteten in Formation, was so beeindruckend war, dass selbst der Controller von Berlin-Tempelhof einen Piloten einer Verkehrsmaschine darauf hinwies, er solle sich dieses unbedingt anschauen.(Take a look to the right, it's just for you). Der Ausflug über Berlin erfolgte über der Whisky-Route. Aufgrund schlechten Wetters mussten wir in Schönhagen, einem Flugplatz südwestlich von Berlin, landen. Diese Landung stellte sich als wahrer Glücksfall heraus, denn wir wurden alle ausserordentlich gut aufgenommen. Im Restaurant Cockpit gab es ein sehr gutes Essen. Da sich das Wetter nicht besserte, fuhren wir abends nach Sanssouci. Es gab ein sehr gutes Essen in der Fussgängerzone von Potsdam direkt am Brandenburger Tor. Alle Mitglieder waren ausserordentlich zufrieden.



Sonntag, 30. Juli 2000
An diesem Tag erfolgte der Rückflug der einzelnen Piloten. Die italienischen Piloten flogen über Hof zurück nach Cremona. Sie landeten dort abends um 08.00 Uhr. Ingrid und ich flogen in der G 109, D-KEOI zusammen mit Michael Leblanc sowie Guy Biard nach Dinslaken. Das Wetter besserte sich nach dem Start in Oehna und wurde nachher sogar recht gut. Der Flug führte südlich an Magdeburg vorbei Richtung Helmstedt. Als Leitlinie bot sich die A 2 an. Anschliessend ging es südlich an Wolfburg, wo wir immer entlang der A 2 einen schönen Blick auf das VW Werk hatten. Die Kontrollzone von Hannover konnten wir als Formation ohne Probleme durchfliegen. Allerdings gab es kurz vor Dinslaken eine deutliche Verschlechterung der Sicht. Dank GPS war die Navigation jedoch unproblematisch. Die Gruppe landete in Dinslaken, tankte die Maschinen auf, die beiden französischen Flugzeuge flogen anschliessend weiter nach Frankreich, die D-KEOI nach Mönchengladbach. Eine weitere Gruppe mit vier französischen Piloten flog einen weiter südlich liegenden Kurs direkt zu ihren Heimatflugplätzen in Zentralfrankreich.

Alles in allem war die Tour sehr gut organisiert, die Piloten verstanden sich sehr gut, es gab keinerlei Zwischenfälle, die irgendwie Kritik hervorrufen könnten. Alle Piloten flogen ausserordentlich diszipliniert, es wurden viele neue Freundschaften geschlossen. Diese Reise war für alle Piloten ein ausserordentliches Erlebnis. Wir hatten ausserdem das Glück, dass wir immer um das schlechte Wetter herumflogen und fast immer gutes Wetter hatten.

Christian Müssemeyer

 

Deutschlandflug CFI 2000