Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Um London herum und zurück

Der Club Fournier International (CFI) hatte für die Zeit vom 08. bis 10.07.2006 einen Flug nach England organisiert. Vom Aeroclub 77 aus Mönchengladbach nahmen Hans Wirtz und Christian Müssemeyer auf der GROB G-109b (D-KEOI) teil. Miguel Rubia flog mit Henk Dumont mit dessen schneller Taifun (D-KSDI) mit. Hier ihr Bericht:

Wir trafen uns am Samstag um 9.00 Uhr auf dem Flughafen Mönchengladbach. Henk Dumont kam mit seiner Taifun von Geilenkirchen geflogen, um Miguel abzuholen. Wir starteten gegen 9.45 Uhr und flogen zunächst entlang der Autobahn A 52 vorbei am ehemaligen Flugplatz Elmpt. Unsinnigerweise hat man Hindernisse auf die Landebahn gebracht, so dass ja niemand auf die Idee kommen sollte, hier zu landen.



Die holländische Grenze überflogen wir kurz hinter Elmpt, überquerten die Maas, nahmen Kontakt zum Turm von Beek auf und waren nach ca. 7 Minuten schon durch Holland durch. Hier im Limburger Land, mit dem gleichnamigen Käse, wohnt Henk Dumont, der Wert darauf legt, dass er Limburger ist (kein Käse). Wir nahmen Kontakt zu Brüssel Information auf und baten um Durchflug der Kontrollzone des Militärflugplatzes Kleine Breugel. Dieses wurde auch sofort gewährt, wir durften nur den Flugplatz nicht direkt überfliegen.

Kleine Breugel ist umgeben von riesigen Wäldern, westlich davon liegt ein Truppenübungsplatz, der aussieht wie jeder Truppenübungsplatz, viel dunkler Sand, ein bisschen Grass, alles zerfahren und zerfurcht. Nachdem wir diesen Truppenübungsplatz überflogen hatten, flogen wir direkt auf das VOR BUN zu. Hier mussten wir äußerst genau navigieren, da wir in einem engen Korridor genau zwischen den Kontrollzonen Brüssel und Antwerpen in maximal 1.500 ft hindurchfliegen mussten. Das VOR ist hier eine gute Hilfe, selbstverständlichen hatten wir auch GPS an Bord, so dass wir äußerst genau navigieren konnten.

In westlicher Richtung breitet sich eine liebliche, durch den Fluss Schelde geprägte Landschaft aus. Die Schelde schlängelt sich in vielen Windungen Richtung Antwerpen. Überall sind grüne Auen, Wiesen und kleinere Wäldchen. Von oben sieht das alles sehr hübsch und vor allem sehr ordentlich aus.

Rechts von uns lag die Stadt Gent, die wir sehr gut von oben sehen konnten. Wir flogen in Richtung des NDB’s MAK und waren, nachdem wir dieses überflogen hatten, schon kurz vor der französischen Grenze. Beim Einflug in die Kontrollzone mussten wir noch darauf achten, einen Abstand von mindestens 5 km zu dem nördlich von der Kontrollzone gelegenen Kernkraftwerk einzuhalten. Wir landeten nach zwei Stunden Flugzeit in Calais, tankten dort die Motorsegler auf und warteten auf die restlichen Teilnehmer für den Englandflug.

Patrick Faucheron kam etwa zwei Stunden später mit 7 weiteren Flugzeugen des CFI im Schlepptau. Die Gruppe war aus Speyer losgeflogen, musste durch eine Kaltfront, hatte unterwegs in Kirn noch Alfred Scherer mit seiner RF 4 mitgenommen und nun kamen alle zusammen nach Calais.

Piet de Crom und Ger v Zunderd aus Midden Zeeland waren zuvor in einer G-109b (PH-746) gelandet. Paolo Capellini und Diego Comellini (RF-5) aus Cremona sowie Fausto Tumiatti aus Bozen (RF-4, D-KARL) waren früh morgens aus Italien losgeflogen, sie flogen über die Alpen und trafen und nun mit der längsten Anreise in Calais ein. Michel und Beatrice Leblanc kamen mit ihrer RF 9.

Wir waren nunmehr Piloten aus 5 Ländern (Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Spanien). Nach dem Auftanken und dem Anlegen der Schwimmwesten flogen wir in einer Formation von 14 Flugzeugen von Calais bis nach Popham. Der Start erfolgte in bewährter CFI-Manier, immer einer hinter dem anderen mit selbstbestimmten Sicherheitsabstand, Patrick funkte für alle, wir flogen hinterher das ist sehr einfach und es funktioniert.

Bereits kurz nach dem Start in Calais sahen wir die Kreidefelsen von Dover, 15 Minuten später waren wir dort. Von Dover ging es dann entlang der Südküste Richtung Brighton. Kurz hinter Dover flogen wir an dem riesigen Bahnhof, kurz vor der Tunneleinfahrt, vorbei. Hier werden die Autos auf die Züge verladen die anschließend durch den Tunnel nach Frankreich fahren.

Wir sahen Hastings, wo Wilhelm der Eroberer sich 1066 geschlagen hatte. Die Landschaft ist aus Fernsehfilmen hinlänglich bekannt, man sieht die steilen Klippen am Meer, das Plateau, die vielen Hügel, das Weideland auf denen einige Kühe grasen von denen wir nicht wissen, welche verrückt sind (siehe BSE-Test). Vor Brighton verschlechterte sich das Wetter, wir konnten nur noch ca. 1.000 ft hoch fliegen, über der hügligen Landschaft ist das nicht viel.

Hinter Brighton wurde es dann wieder merklich besser, wir bogen Richtung Nordwesten ab und hatten jetzt noch eine Strecke von ungefähr 50 km zu fliegen. Auch hier überflogen wir eine liebliche, hügelige Landschaft, auf der es keine geraden Felder gibt, diese werden durch Baumreihen oder auch Hecken begrenzt. Wir sahen viele verträumte kleine Dörfer und auch die herrschaftlichen Landsitze, die man aus dem Fernsehen kennt. Patrick forderte uns auf eine Schlange zu bilden, was wir auch taten. Wir flogen nunmehr zu einer Linie hintereinander in gleicher Höhe als Vorbereitung für die Landung. Patrick hatte zwischenzeitlich Funkkontakt zu Popham aufgenommen und wir landeten nach einer Flugzeit von 1:45 h einer nach dem anderen ohne Zwischenfall.

Kurz nach der Landung wurden wir schon von dem englischen CFI-Organisator Mike Millar und seiner Frau Amanda sowie Adrian Hatton begrüßt. Popham ist ein Flugplatz, der von einem Spitfirefan angelegt wurde. Dieser hatte mehrere Spitfires restauriert und auch geflogen. Leider ist er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, seine Frau hat dann den gesamten Flugplatz verkauft. Popham ist nunmehr zu einem Zentrum für Oldtimer geworden. Wir haben am nächsten Tag eine Halle mit den Oldtimern besichtigt, dort standen sehr gut restaurierte und gepflegte Oldtimer, u.a. eine Staggerwings, die kleinste zweimotorige Maschine eine Cri-Cri sowie eine Nieuport, ein Jagdflugzeug aus dem ersten Weltkrieg.



Am nächsten Tag (Sonntag) war das Wetter typisch englisch, d.h. viel Wind und Regen. Dieses hatte in der Nacht dazu geführt, dass das Zelt von Henk und Miguel zusammenbrach, so dass sie es in der Nacht wieder aufbauen mussten. Henk hatte einmal nicht aufgepasst und den Zeltaufbau anderen überlassen, dieses rächte sich sofort. Man sollte doch nichts ohne Checkliste machen.

Wir hatten schon die Hoffnungen aufgegeben, überhaupt noch fliegen zu können, allerdings ändert sich hier das Wetter sehr schnell. Am Computer konnten wir sehen, dass für den Nachmittag besseres Wetter kommen würde. Wir beschlossen deshalb, am Nachmittag nach Husbands Bosworth zu fliegen.

Der Flugplatz in Popham hat zwei Graslandebahnen. Die 21, sie ist  940 m lang, sie ist ansteigend und führt direkt auf einen Wald mit hohen Bäumen zu. Die 26, ist ebenfalls ansteigend, verläuft parallel des Waldes entlang der Autobahn, hier ist bei entsprechendem Wind meistens ein Lee. Da sowohl Henk Dumont als auch ich befürchteten, mit den schweren Motorseglern zu zweit nicht ohne Probleme aus dem Platz herauszukommen, machte Henk erst einmal einen Probestart allein mit seiner Taifun. Da er kräftigen Gegenwind (20 Kn ) hatte, hob er schon vor der Bahnmitte ab und so wagten wir schließlich, mit den schweren Motorseglern (Grob G109, Taifun) zu starten. Der Start war problemlos, wir kamen alle gut über die Bäume und flogen dann nach Norden Richtung Husbands Bosworth. Wir waren 3 Flugzeuge, die Taifun von Henk Dumont, die G-109b von Piet de Crom (PH-746) und wir mit der D-KEOI.

Wir waren von den englischen CFI-Piloten darauf hingewiesen worden, dass wir auf jeden Fall eine militärische Sprungzone südlichwestlich von Oxford meiden mussten. Hier herrscht fast jeden Tag Sprungbetrieb, es werden auch Gegenstände, u.a. Jeeps und Waffen, abgeworfen. Die Sprungzone ist in den Karten eingezeichnet und auch im GPS enthalten, so dass es keine Schwierigkeit gab, diese Zone zu umfliegen. Wir umflogen Oxford östlich und waren so auf der sicheren Seite.

Weiter nördlich kamen wir an einem riesigen Segelflugplatz vorbei, hier waren mindestens 100 Flugzeuge stationiert. Uns fiel ohnehin auf, dass es in England weitaus mehr Flugplätze gibt als bei uns, es sind sehr viel stillgelegte ehemalige Militärflugplätze, die z.T. von Segelflugvereinen genutzt werden. Diese haben eine riesig lange Schleppstrecke zur Verfügung und auch einen sehr großen Platz zum landen.

Wir hatten kräftigen Rückenwind und landeten bereits nach 40 Minuten in Husbands Bosworth, nordwestlich von London. Dort wurden wir von einigen Mitgliedern des Vereins empfangen, wir warteten nun auf die Ankunft der übrigen 22 CFI-Flugzeuge. Diese waren etwa eine halbe Stunde nach uns gestartet und kamen deshalb später an. Die Gruppe mit den 22 Flugzeugen landete wieder einer nach dem anderen auf dem Segelfluggelände. Es ist jedes Mal ein Erlebnis zu sehen, wie so viele Flugzeuge in so kurzer Zeit landen.



Mike und Adrian hatten für den Abend eine Grillfete organisiert. Jeder bekam eine Schale mit einem Hamburger, einem Steak, einer Bratwurst und Rippchen, die er dann anschließend selbst grillen musste. Dieses taten wir dann auch an den fest installierten Grillplätzen. Es war ein schöner Abend, der zu vielen Kontakten zu den britischen Fliegern führte.

Eine besondere Aufmerksamkeit hatte Miguel sich für Henk einfallen lassen. Er hatte sich extra Schokostreusel aus Spanien besorgt und damit Henks Essen gewürzt. Dieser strahlte über das ganz Gesicht als er die Schokostreusel sah, so brauchte er nicht auf seine geliebten Schokostreusel zu verzichten.



Am gleichen Abend fand das WM-Endspiel zwischen Frankreich und Italien statt. Hier war natürlich Stimmung, weil sowohl Franzosen als auch Italiener an dem Flug beteiligt waren. Nach dem Sieg Italiens feierten die Italiener ausgiebig.

Beim Präsidenten des Clubs hatten wir nachgefragt, ob er für uns einen Kontakt nach Duxford vermitteln könnte, wir wollten dort landen und auch die Museen besichtigen. Duxford ist sehr teuer ist, eine Landung kostet 22 englische Pfund (ca. € 33) und die Museen kosten extra. Er konnte den Preis gut herunterhandeln, so dass wir nur 10 Pfund zahlten und dafür auch noch den Eintritt in die Museen hatten.

Am nächsten Morgen flogen wir zusammen mit Henk und Miguel in der Taifun und  Piet de Crom und Ger v Zunderd von Husbands Bosworth nach Duxford. Wir brauchten keinerlei Kontrollzonen oder Beschränkungsgebiete zu umfliegen. Aufpassen muss man lediglich bei Flugplätzen, die jeweils einen Schutzraum von ca. 2 nautischen Meilen um sich herum haben, den man jedoch in 2.000 ft Höhe überfliegen kann.

Wir nahmen Funkkontakt zu Duxford auf und erhielten dann auch sofort eine Landefreigabe. Schon aus der Luft konnten wir die vielen Gebäude, in denen sich zahlreiche Flugzeuge befinden, sehen. Es stehen auch zahlreiche ältere Flugzeuge außerhalb der Hallen. Bei der Landung gab es eine kleine Konfusion weil einer auf der 24 und ein anderer gleichzeitig auf der 06 landen wollte. Der Controller entschärfte die Situation gekonnt, indem er beide nach rechts wegdrehen ließ Nach der Landung sahen wir die Lufthansa JU-52 (D-AQUI) und eine Messerschmidt 108. Beide starteten in Formation zu einem Flug nach Antwerpen.

In Duxford hatte am Wochenende gerade eine große Air-Show stattgefunden, an diesem Tag hätten wir gar nicht nach Duxford fliegen können. Während unserer Anwesenheit wurden zahlreiche Flugzeuge vorgeführt, u.a. eine Spitfire und auch eine Mustang. Wir nutzten die Gelegenheit, um in den Hallen zuzuschauen, wie dort Flugzeuge restauriert wurden. Man kann sich kaum eine Vorstellung machen, wie groß ein Doppelsternmotor mit 18 Zylindern ist, der in amerikanischen Flugzeugen verwendet wurde. Hierzu konnte Piet de Crom einiges erklären, da er als junger Bursche als Flugzeugmechaniker bei der Fa. Fokker an solchen Maschinen gearbeitet hatte.



Da wir fürchteten, von einer Kaltfront eingeholt zu werden, flogen wir schon gegen 13.30 Uhr von Duxford wieder zurück nach Mönchengladbach. Wir starteten alle hintereinander in einer Formation und flogen dann zunächst in Richtung Osten, um nicht in die Kontrollzone von Stanford hineinzufliegen. Hierauf waren wir von einem Mitarbeiter des Air-Traffic-Kontrolldienstes in Duxford eindringlich hingewiesen worden, man hatte uns die Abflugroute genau erklärt. Dank GPS gab es auch keinerlei Schwierigkeiten mit der Navigation, wir flogen zunächst zur Stadt Huverhill, von dort zum Flugplatz Earls Colne, von dort aus ging es zur Themse, von dort flogen wir direkt nach Dover. Hierbei mussten wir noch ein in der Karte eingezeichnetes, sehr kleines Sperrgebiet umfliegen. Wie sich dann herausstellte, handelte es sich um ein Gefängnis, was wir von oben gut erkennen konnten.

Wir flogen direkt auf das VOR von Dover zu, und stiegen dann auf 3.000 ft, um eine gewisse Sicherheitshöhe über dem Ärmelkanal zu haben. Wir konnten von hier aus schon die französische Küste erkennen und waren nach ca. 15 Minuten wieder auf dem französischen Festland. Wir überflogen den Flugplatz von Calais und sahen dort die übrigen Motorsegler von Patricks CFI-Gruppe am Boden stehen. In Calais trennten sich Piet de Crom und Ger v Zunderd von uns und flogen direkt zurück nach Midden-Zeeland. Wir durchquerten wieder den Korridor zwischen Brüssel und Antwerpen. Über Brüssel Information fragten wir an, ob wir wieder durch Kleine Breugel durchfliegen durften. Diese verwiesen uns auf die Frequenz von Kleine Breugel. Man gestattete uns den Einflug in die Kontrollzone, wir mussten nur einmal Richtung Norden ausweichen, weil ein Kampflugzeug im Anflug war. Danach konnten wir unseren alten Kurs wieder einnehmen und Richtung Mönchengladbach fliegen, wo wir nach 3 Stunden Flugzeit landeten.

Es war wieder ein schöner CFI-Ausflug. Das gute an diesen Ausflügen ist auch, dass sich die Kosten in Grenzen halten. Dieses ist gerade bei Englandflügen wichtig, weil hier ansonsten alles sehr teuer ist. Mike Millar und Adrian Hatton hatten alles perfekt organisiert, sie organisierten das Essen sowie die Unterkunft bzw. die Möglichkeit zu zelten. So brauchten wir in Popham keine Landegebühren zahlen. So wird auch ein Aufenthalt in England erschwinglich.

Im nachhinein wurde mir klar, dass es von uns (Mönchengladbach) nach England näher ist als von uns nach Berlin. Ich bin am nächsten Tag nach Schönhagen bei Berlin geflogen, wofür ich drei Stunden brauchte. Bis England schafft man es in 2,5 Flugstunden. Ein Grund, dort öfter mal hinzufliegen.

 

Christian Müssemeyer

 

Englandflug 2006