Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Umstellung auf JAR-FCL gelungen

Gleich 5 Flugschüler des Aeroclub Mönchengladbach 77 e. V. konnten in diesem Frühjahr die Privatpilotenlizenz nach JAR-FCL SEP erwerben. Dieses ist das beste Ergebnis des Aeroclub 77 seit seinem Bestehen.

Der Aeroclub 77 in Mönchengladbach war bis zum Jahre 2002 ein reiner Motorseglerclub mit zwei Motorseglern, einer RF-5 und einer G-109b. Als im Jahre 2002 klar wurde, dass mit Einführung der JAR-FCL eine reine Motorseglerausbildung nicht mehr ohne weiteres möglich war, stellte der Verein sich frühzeitig um. Die RF 5 wurde verkauft, dafür wurde eine Katana angeschafft.

Die Anschaffung der Katana stellte sich als Glücksfall heraus. Wer sich die gesetzlichen Bestimmungen genau anschaut, erkennt sehr schnell, dass mehr oder weniger alles auf die 750 kg-Klasse zugeschnitten ist. Die Umschulung vom Segelflug oder Motorsegler oder UL erfolgt über den PPL National. (750 kg Klasse) So sollte anfangs im Aeroclub 77 auch nur in der 750 kg-Klasse ausgebildet werden. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass es in der Anfängerschulung günstiger ist, sofort auf den JAR-FCL SEP auszubilden. Diese Ausbildung ist zwar aufwendiger, sie erspart dem Auszubildenden jedoch 2 weitere theoretische und praktische Prüfungen. Die gesamte JAR-FCL Ausbildung kann auf der Katana durchgeführt werden.

Der theoretische Unterricht erfolgte in den Wintermonaten, die Schüler haben sich selbst mit Exam 8 für die Prüfung fit gemacht Durch den Einsatz moderner Kommunikationsmittel war es möglich, auch die theoretische Ausbildung so effektiv und interessant wie möglich zu gestalten. Neben den Informationen, mit welchen Büchern oder Programmen oder DVDs sich am besten lernen lässt, wo man die besten Informationen aus dem Internet bekommt, wurde der theoretische Unterricht dazu genutzt, vor allem solche Fragen aus dem Fragenkatalog zu besprechen, die nicht verstanden wurden. Ein Austausch erfolgte sowohl unter den Schülern untereinander als auch mit den Fluglehrern. So wurde während des theoretischen Unterrichtes die praktische Flugplanung mit allen Einzelheiten vorgenommen, die stark an der Praxis orientiert ist und auf den Erfahrungen der Fluglehrer bzw. anderer Piloten beruht. Durch nichts lernt man mehr, als durch praktische Flugplanung, außerdem motiviert die Planung von Flügen zum Nachfliegen. Das Ergebnis war, dass alle Schüler die theoretische Prüfung für den JAR-FCL SEP bestanden.

Leider gibt es in Mönchengladbach kein MOGAS, so dass der Aeroclub 77 immer darauf angewiesen ist, an anderen Flugplätzen zu tanken. Ebenso nachteilig sind die hohen Lande- und Anfluggebühren in Mönchengladbach, die eine Schulung am Flugplatz in Mönchengladbach unattraktiv machen. Aus diesem Grunde werden Ausweichflugplätze, die von den Landegebühren attraktiver sind und auch MOGAS haben, bevorzugt. Einige Schüler haben während der Ausbildung mehr als 20 Flugplätze angeflogen, dieses gibt eine Menge Erfahrung und Sicherheit.

So ist die Ausbildung im Aeroclub 77 keine platzbezogene Ausbildung, sondern sie schließt von Anfang an Überlandflüge mit ein. Die Schüler bekommen dadurch frühzeitig sehr viel Übung im Navigieren, außerdem motiviert es, sie lernen die Schönheit des Überlandfliegens kennen. Durch die vielen Überlandflüge mit Fluglehrer haben die Flugschüler auch viele unterschiedliche Wettersituationen erlebt und sind dadurch in einem recht frühen Ausbildungsstadium fit zum Überlandfliegen.

Auf modernes Navigationsgerät wird nicht verzichtet, die Katana ist mit einem VOR und GPS ausgestattet, damit wir von Anfang an geübt. Ferner hat jeder Schüler sein eigenes GPS, (Garmin Pilot 3 bzw. die Nachfolgemodelle), die es den Schülern erlauben, am eigenen Gerät zu üben. Nur wer sich zu Hause intensiv mit seinem GPS beschäftigt, kann damit auch später im Flug umgehen. Auch die Bedienung des fest eingebauten GPS-Gerätes fällt ihm denn leichter. Die gesamte Flugvorbereitung kann zu Hause mit dem eigenen GPS erfolgen, dieses hat sich als außerordentlich vorteilhaft erwiesen.

Schon bald nach dem ersten Alleinflug, erfolgt die obligatorische Einweisung in das 150 NM-Dreieck. Da die Schüler zu diesem Zeitpunkt bereits viele Überlandflüge haben, kann dann auch bald der Alleinflug des 150 NM-Dreiecks folgen. In der Folgezeit erhalten die Flugschüler zahlreiche Flugaufträge für weitere Überlandflüge, dadurch haben sie eine weitaus grössere Flugpraxis als gesetzlich vorgeschrieben ist, das übt, gibt Sicherheit und es macht vor allem Spass.

Besondere Höhepunkte sind größere Auslandsflüge. So wurden Flüge über die Alpen nach Cremona in Italien, nach Budweis in Tschechien, nach Le Touquet in Frankreich nach Schaffen-Diest in Belgien und zu weiteren Flugplätze geflogen. Durch das Fliegen an einem kontrollierten Platz (Mönchengladbach) haben die Flugschüler keine Schwierigkeiten mit dem Anfliegen von kontrollierten Plätzen, bzw. dem Durchfliegen von Kontrollzonen. Die D-EZIC ist inzwischen sowohl in Köln, Düsseldorf und Nörvenich bekannt, vor allem als ein Schüler wegen schlechtem Wetter außerplanmäßig in Nörvenich landen musste. Hier erweist es sich als Vorteil, mehrere Kontrollzonen direkt vor der  Haustür zu haben.

Es gibt im Verein weder Pflichtarbeitsstunden noch eine Anwesenheitspflicht am Flugplatz. Jeder Flugschüler plant im voraus, wann er fliegen will, die Fluglehrer sprechen sich untereinander ab. Auf diese Art und Weise gibt es keine Leerzeiten, kein unnötiges Warten auf die Maschine, keinen Frust. Durch moderne Kommunikationsmittel wie Email, Handy usw. wird der Flugbetrieb so organisiert,, dass der Flugschüler erst zum Flugplatz kommt, wenn die Maschine dort flugbereit steht. Ergeben sich unvorhergesehen Änderungen wird der Schüler per Handy benachrichtigt. Da die Zeit unser kostbarstes Gut ist, sollte diese so sinnvoll wie möglich eingesetzt werden.

Die Ausbildungszeit der einzelnen Flugschüler betrug zwischen 1,5 und 2,5 Jahre und hängt maßgeblich von der Zeit und dem Einsatz der Flugschüler ab. Einige hatten größere zeitliche Lücken, weil sie beruflich eingespannt waren. Gerade diejenigen, die wenig Zeit haben und den Service einer Flugschule, aber zugleich auch die Vorteile eines Vereins genießen wollen, sind im Aeroclub 77 gut aufgehoben.

Nach der Ausbildung werden die Schüler nicht allein gelassen. Sie bekommen die Möglichkeit, an größeren Auslandsflügen teilzunehmen. So sind Piloten des Vereins bereits nach Frankreich, England, Belgien, Holland, Italien, Tschechien, Polen, Estland, Litauen, Lettland, Finnland, Schweden geflogen. Bei diesen Flügen wird immer darauf geachtet, dass ein erfahrener Flieger mit einem unerfahrenen Flieger fliegt, um so die eigenen Erfahrungen weiter zu geben. Auch Flugschüler haben die Möglichkeit mit einem Fluglehrer an solchen Flügen teilzunehmen, was den Ausbildungsstand erheblich erweitert und auch die Scheu vor solchen Flügen nimmt.

Eine Umfrage unter unseren Schülern zeigt, dass diese mit diesem Ausbildungskonzept sehr zufrieden sind. Sie haben eine Menge erlebt, haben viel Erfahrung gesammelt, viel Spass gehabt und fühlen sich sicher. Sie haben es auch als Vorteil empfunden, mit mehreren Fluglehrern zu schulen, weil jeder Fluglehrer eine eigene Persönlichkeit ist und etwas aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz beisteuern kann.

Dadurch, dass der Aeroclub 77 in Mönchengladbach kein eigenes Clubheim hat, entwickelt sich selbstverständlich kein Vereinsleben, wie man es aus anderen Vereinen kennt. Stattdessen treffen sich die Mitglieder jeden Donnerstagabend im Clublokal mit intensiver Kommunikation rund um die Fliegerei und der Planung weiterer gemeinsamer Flüge.

Dieses Konzept spricht diejenigen an, die gerne fliegen möchten, aber eigentlich keine Zeit dazu haben. Hierbei sei klargestellt, dass der Ausbildungszweck des Vereins sich hauptsächlich auf diejenigen bezieht, die auch später im Verein bleiben wollen. Diejenigen, die möglichst schnell Berufspilot werden wollen, sind bei kommerziellen Flugschulen besser aufgehoben.

Christian Müssemeyer

Der Luftsport