Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Korsikaflug 2001

Die Idee, in diesem Jahr nach Korsika zu fliegen, begeisterte viele CFI-Piloten. So nahmen allein aus Deutschland 15 Motorsegler teil, 3 weitere Motorsegler kamen aus Italien sowie einer (Michel Baar) aus Belgien mit einer Ximango (RF-10).

Die Vorbereitung für diesen Flug wurde von Patrick Faucheron und mir (Christian Müssemeyer) erarbeitet. Als besonders hilfreich erwies sich, das fast alle teilnehmenden Piloten einen E-Mail-Anschluss hatten, so dass Nachrichten schnell ausgetauscht werden konnten. Weiterhin erwies sich die Homepage des CFI (www.cfi-eV.scram.de) als segensreich, weil hier über das Gästebuch die neuesten Nachrichten veröffentlicht werden konnten. So gab es keinerlei Verständigungsschwierigkeiten oder Missverständnisse mit allen teilnehmenden Piloten, zumal am letzten Tag vor der Reise der ganze Flugplan noch umgestellt werden musste.

Ursprünglich hatten wir geplant, uns in Leutkirch (Allgäu) zu treffen und von dort nach Cremona (Norditalien) zu fliegen. Dort sollte übernachtet werden, am nächsten Tag sollte es dann zusammen mit den italienischen CFI-Piloten nach Korsika gehen. Das Wetter spielte jedoch nicht so mit, wie wir wollten, denn es wäre sehr schwierig gewesen, die Alpen zu überfliegen. Deshalb wurde kurzerhand umgeplant, die Flugroute westliche entlang des Rhone-Tals und Südfrankreich gelegt. Diese Information erhielten alle Piloten per E-mail am Vorabend des Abfluges. Weiterhin wurde diese Information im Gästebuch der Homepage des CFI veröffentlicht.

Freitag, 01. Juni 2001
Die meisten Motorseglerpiloten trafen sich in Speyer. Die erste Gruppe flog bereits um 13.00 Uhr mit 8 Motorseglern Richtung Bourg en Bresse. Die zweite Gruppe flog mit 4 Motorseglern etwa eine Stunde später. Einige Piloten (Peter Bälzle und Jochen Otte sowie Günther Hartleb) flogen direkt nach Bourg en Bresse. So gab es auch keinerlei Zeitverzögerungen durch Auftanken. Als die zweite Gruppe nach 2 Stunden Flugzeit ankam, hatte die andere gerade getankt, so dass wir anschliessend gleich weiterfliegen konnten. Der Flug von Speyer verlief zunächst entlang des Rheines. Wir folgten den Vogesen, um hinter Colmar Kurs direkt auf Bourg en Bresse zu nehmen. Wir flogen über eine äusserst liebliche, von vielen Hecken und grünen Wiesen gekennzeichnete Landschaft. Die Gegend ist recht dünn besiedelt, man sieht nur recht kleine Ortschaften, eine Gegend, die offensichtlich nur landwirtschaftlich (Viehwirtschaft) genutzt wird.



Nach dem Start in Bourg en Bresse flogen wir zunächst an der Kontrollzone von Lyon vorbei Richtung Grenoble. Grenoble lag von uns aus gesehen am hinteren Ende eines Tales, welches an beiden Seiten von riesigen Bergen begrenzt wird. Ich hatte das Gefühl, als wenn ich durch ein Tor Richtung Grenoble fliegen würde. Hinter Grenoble gab es zunächst einmal einen grösseren Kessel, dahinter lagen hohe Berge. Dem schlossen sich mehrere Täler an. Wir mussten ständig Höhe gewinnen, da noch einige vor uns liegende hohe Berge zu überklettern waren. Einige nutzten dabei ihre segelfliegerischen Kenntnisse, um die Hangaufwinde für die Höhen-gewinnung auszunutzen. Meine Frau und ich flogen in einer Grob G-109 b, die sich nach oben quälte. Schliesslich hatten wir 7.000 ft erreicht, dieses reichte aus, um sicher über die Gebirge zu fliegen. In dieser Höhe waren die Turbulenzen auch nicht so stark wie für diejenigen, die tiefer flogen.

Als segensreich erwies sich der starke Rückenwind, teilweise hatten wir über 50 km, der die Geschwindigkeit über Grund auf über 230 km/h ansteigen liess. Ich hatte das Gefühl, wir wüden von Engeln geschoben. Wir kamen zu den bekannten Segelfluggebieten in Frankreich, angefangen bei Sisteron, gefolgt von St. Auban sowie Puimoisson. Hinter Puimoisson lag noch ein Beschränkungsgebiet, welches wir umflogen, um dann Direktkurs auf Fayence zu nehmen. Die 15 Motorsegler erreichten Fayence mehr oder weniger zeitgleich. Patrick hatte vorher in Fayence angerufen und unsere Ankunft angekündigt. Hier gibt es eine gute Infrastruktur mit einem Restaurant und der Möglichkeit, sich für 60 Francs ein Zimmer zu nehmen. Abends gab es im Restaurant am Flugplatz ein gutes Essen.

Samstag, 02. Juni 2001
An diesem Tag war der Flug bis nach Propriano an der Westküste in Korsika geplant. Hier wollten wir uns nun endgültig mit den Italienern treffen, die am gleichen Tag von Cremona in Italien nach Propriano flogen. Wir starten gegen Mittag und flogen erst einmal mit östlichem Steuerkurs Richtung Nizza. Wir durften 1000 ft über Grund nicht überschreiten. Da es hier keine Aussenlandefelder gab, war dieses für uns schon spannend. Patrick führte als einziger der Formation für alle den Funksprechverkehr in englischer Sprache durch. Er erreichte, dass wir durch die Kontrollzone von Nizza fliegen konnten, wobei wir einige der Pflichtmeldepunkte anfliegen mussten. Diese sind auf den Anflugkarten verzeichnete und wenn sie im GPS eingeben sind, ist dieses auch kein Problem. Allerdings muss man sich entsprechend vorbereiten.



In Nizza fiel auf, dass fast jedes Haus einen Swimmingpool hat. Da wir recht tief fliegen mussten, konnten wir alles genau erkennen. Wir flogen direkt am Flughafen vorbei und nahmen Kurs auf Monte Carlo. Hier konnte man deutlich das Casino, den Hafen und die Rennstrecke erkennen. Von Monte Carlo ging es immer entlang der Küstenlinie Richtung San Remo. Hinter San Remo passierten wir die französisch/italienische Grenze. Wir flogen über dem Wasser in einer Höhe von 500 und 1.000 ft. Es war ein traumhaftes Wetter mit sehr guter Sicht. Interessant war, dass man aus dieser Perspektive vieles erkennen konnte, was aus keiner anderen Perspektiven zu sehen ist. So gab es viele Häuser, die an die Steilküste gebaut worden waren und die nur über schmale Treppen zu erreichen waren. Wir fragten uns, warum jemand dahin baut. Offensichtlich weil er ungestört sein und den Blick auf das Meer geniessen. wollte.

Wir mussten durch die Kontrollzone von Genua fliegen. Auch dieses war kein Problem, man leitete uns parallel zum Flughafen in einer Entfernung von 5 bis 6 km auf dem Meer am Flughafen vorbei. Es gab nirgendwo Schwierigkeiten mit dem Durchqueren von Kontrollzonen. Sowohl die französischen als auch die italienischen Controller sprachen ein gut verständliches Englisch. Wir flogen weiter entlang der Küste Richtung Pisa. Hier hatte die Küste viele Badestrände. Kurz vor Pisa bogen wir dann nach links ab, um in Lucca zu landen. Allerdings teilte Pisa uns mit, der Flugplatz Lucca sei in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr geschlossen. Da wir 20 Minuten früher da waren, nutzen wir dieses aus, um Lucca zu umkreisen. Lucca ist eine sehr schöne Stadt mit einer völlig intakten Festungsanlage und vielen Türmen. Es hätte sich gelohnt, hier einen Tag zu verbringen, um die Stadt zu erkunden.



Nach dem Auftanken und Anlegen der Schwimmwesten flogen wir dann zunächst durch die Kontrollzone von Pisa, Richtung Küste. Sodann folgten wir der Küstenlinie und flogen Richtung Elba. Elba wurde südlich umflogen, um dann auf Direktkurs nach Bastia zu gehen. Die Strecke über Wasser zwischen Elba und Bastia hat eine Länge von etwa 60 km. Wir flogen einen Stundenschnitt von etwa 170 km/h,so dass wir etwas länger als 20 Minuten für die Wasserstrecke brauchten. Ich war froh, in unserem Motorsegler einen künstlichen Horizont zu haben, denn es ist ausserordentlich schwierig, über Wasser zu fliegen, weil man keine Bezugslinie (Horizont) hat. Allerdings waren die Sichtverhältnisse gut, so dass wir schon nach kurzer Zeit Korsika in Sicht und somit auch wieder eine Bezugslinie hatten.

Kurz vor Bastia nahm Patrick Funkkontakt auf, die Flugsicherung in Bastia leitete uns zunächst vor Erreichen der Küste auf einen Kurs von 180 Grad, weil sie anfliegenden IFR-Verkehr hatten. Wir wollten ohnehin Bastia südlich umfliegen, um zuerst an der Ostküste von Korsika entlang zu fliegen um dann nach Propriano zu kommen. Nachdem wir ca. 15 Meilen vom Flughafen entfernt waren, durften wir entlang der Küstenlinie fliegen. Als wir den Flughafen von Solenzara passiert hatten, frischte der Wind merklich auf und es wurde sehr turbulent. Man hatte uns schon vorher gewarnt, dass sehr starker Wind sein würde. Wie wir später erfuhren, gibt es gerade hier ein Starkwindgebiet und wir entschlossen uns, in Bastia und nicht in Propriano zu landen, weil wir bei diesem Wind nicht über die Berge fliegen wollten.

Die ganze Gruppe drehte ab und flog wieder nach Bastia zurück. Patrick nahm Funkkontakt auf, wir bekamen die Anweisung, über die in der Anflugkarte veröffentlichten Pflichtmeldepunkte zu fliegen. Die ganze Gruppe ordnete sich nach dem Überfliegen des ersten Pflichtmeldepunktes so, dass jetzt einer hinter dem anderen flog. Nachdem Patrick eine Landefreigabe erhalten hatte, landete die ganze Gruppe, ohne dass sich jeder einzelne anmelden musste. Jeder hielt den Sicher-heitsabstand zum Vormann selbst ein, die Landung der 15 Flugzeuge dauerte etwa 3 Minuten. Nach dem Landen rollten wir sofort zu einem Abstellplatz, wo wir die Motorsegler abstellen konnten. Der Controller war über diese perfekte Landung des CFI sehr begeistert, er lud uns am nächsten Tag zu sich ein.

Da es nunmehr schon recht spät war, hatten wir Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden. Auf dem internationalen Flughafen von Bastia war campen nicht möglich, wir benötigten einen Zeltplatz in der Nähe. Nachdem Kontakt mit einem Zeltplatz aufgenommen worden war, wollten wir anfangs mit Taxis dort hin fahren. Allerdings wollten die Taxifahrer einen derart hohen Preis haben (250 Francs), dass wir nicht bereit waren, dieses zu zahlen. Patrick organisierte kurzerhand zwei Autos (nagelneu!), mit denen wir dann selbst zu einem ca. 5 km entfernten Campingplatz fuhren. Auch hier stand das Glück wieder auf unserer Seite, dieser Campingplatz war nämlich gerade an diesem Tag geöffnet worden. Schon auf dem Weg zu dem Campingplatz sahen wir eine kleine Pizzeria, wo wir gleich anhielten und Bescheid gaben, das anschliessend eine Gruppe mit 27 Leuten kommen würde, um dort zu essen. So konnte der Wirt seinen Pizzaofen schon einmal vorheizen. Wir haben anschliessend noch lecker gegessen und alles ausgetrunken, es gab keinen Wein, vor allem keinen Rotwein und auch kein Wasser mehr.

Sonntag, 03. Juni 2001
An diesem Tag wollten wir nunmehr nach Propriano fliegen. Wir hatten schon recht früh gefrühstückt und waren zum Flugplatz herausgefahren. Allerdings dauerte alles seine Zeit, da die 2 Pkws mehrmals fahren mussten, um die Gruppe von 27 Leuten an den Flughafen zu karren. Ausserdem musste Helmut Dielmann sein Fahrwerk noch reparieren. Dieses war ihm beim Zurückschieben über einer Kante eingebrochen. Erwähnen möchte ich hier die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Flughafenangestellten. Diese kamen sogleich mit einem Fahrzeug mit einem Kofferförderband, auf dem normalerweise die Koffer aus bzw. in das Flugzeug befördert werden. Hierbei kann das Band hydraulisch hoch gehoben werden. Mit Hilfe dieses Bandes wurde dann die RF-5 hoch gehoben und das Fahrwerk wurde fixiert, so dass eine sichere Landung möglich war.



Wir hatten morgens in Propriano angerufen und gefragt, wie windig es sei. Uns wurde mitgeteilt, es herrschen ca. 15 Knoten Wind, der auf der Bahn stünde. Wir gingen davon aus, dass dieses Wetter gut sei, um zu fliegen. Patrick hatte sich allerdings vorsichtshalber noch einmal beim französischen Wetterdienst erkundigt. Dort sagte man ihm, man erwarte ein Starkwindgebiet mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 70 Knoten. Man werde ab 12 Uhr nicht mehr auf den Flugplätzen an der Westküste landen können, alle Passagierjets, die flugplanmässig in Ajaccio und in Calvi landen sollten, würden nach Bastia umgeleitet. Aufgrund dieser Informationen entschlossen wir uns, nicht nach Propriano zu fliegen, wir unternahmen einen Ausflug mit einem Linienbus nach Bastia. Dort besichtigten wir die Altstadt.

Wir waren kaum in Bastia angekommen, als der Wind stark auffrischte. Es gab so starke Turbulenzen, dass Stühle vor den Cafes umgeworfen wurden. Wir hatten natürlich alle Angst, um die Motorsegler. Als der Bus wieder am Flughafen ankam, machten alle erst einmal lange Hälse, um zu sehen, ob etwas passiert war. Alles sah ganz normal aus, nur die RF-4 von Jochen Otte (D-KAQI) sah etwas komisch aus. Als wir hinkamen, sahen wir, das die Motorsegler teilweise auch anders standen. Uns fiel sofort auf, dass die Gendarmerie dort stand. Dieses erwies sich für uns jedoch als ein Glücksfall, weil die Gendarmerie es unternommen hatte, die Flugzeuge, nachdem sich einige tatsächlich losgerissen hatten, wieder zu sichern. Im Endeffekt war bei der RF-4 von Jochen Otte nur ein Stützrad abgebrochen. Als typischer CFI-Flieger hatte er natürlich ein Ersatzrad dabei, welches er dann montieren konnte. Bei Rolf Spänig (D-KEAA) war das Spornrad kaputt gegangen, weil der Wind den Flieger hin und her gezerrt hatte. Auch Rolf hatte ein Ersatzrad dabei, welches er sofort montierte. Die Windgeschwindigkeiten hatten teilweise mehr als 100 km/h betragen. Wir waren der Gendarmerie sehr dankbar, dass sie unsere Motorsegler gerettet hatten.



Es ging nun wieder darum, wo wir an diesem Abend übernachten sollten. Wir hatten eigentlich keine Lust mehr, zu dem Campingplatz zu fahren, weil wir dann wiederum zwei Autos hätten mieten müssen. Deshalb fragte Patrick nach, ob es nicht möglich sei, auf dem Flugplatz zu zelten. Der Flughafen selbst hatte nichts dagegen, allerdings benötigten wir hierfür das Einverständnis der Gendarmerie. Als wir hiernach fragten, kam der Controller, der uns am Vorabend die Landefreigabe erteilt hatte, herunter und bot uns spontan an, in seinem Haus und auf seinem Grundstück zu übernachten. Das Grundstück lag nur etwa 5 Gehminuten vom Flughafen entfernt. Er gab uns sofort den Schlüssel und machte uns mit seinem Hund (Hauli) bekannt. Dann fuhr er sofort mit Patrick zum Einkaufen, um leckere Lammsteaks, Rotwein, Bier und Kartoffelchips zu besorgen. Es gab abends ein schönes Essen und eine nette Fete. Wir alle haben uns sehr über diese Hilfsbereitschaft gefreut. Wer lässt schon eine Gruppe wildfremder Menschen in sein Haus, stellt ihnen das gesamte Haus mit Grundstück zur Verfügung, damit diese hier übernachten und im Garten zelten können? Dieses war einfach toll!

Montag, 04. Juni 2001
Wir hatten schon am Tag vorher erfahren, dass der Wind an diesem Tag nicht so stark sein sollte. Trotzdem standen wir alle schon um 6 Uhr auf, weil wir wussten, dass morgens der Wind äusserst ruhig ist. Die Motorsegler waren schon alle aufgetankt und fertig, so dass wir schon um 9.45 Uhr (MEZ) in Bastia starten konnten. Dieses Mal sass ein anderer Controller auf dem Turm, der den CFI noch nicht kannte. Als wir mit den 15 Motorseglern am Rollhalt der Piste standen, sagte Patrick, dass wir alle nacheinander mit eigenem Abstand starten würden. Hiermit war der Controller nicht einverstanden, er hatte Sicherheitsbedenken und forderte, dass jeder erst dann starten dürfe, wenn der andere abgehoben habe und er ihm eine besondere Startfreigabeerteilt habe. Patrick erklärte, dass dieses nicht sinnvoll und auch nicht möglich sei, weil wir dann keine Formation fliegen könnten. Der Controller wollte sich jedoch nicht erweichen lassen. Darauf hin bot Patrick ihm eine recht schlechte Alternative an, die ihn letztendlich zur Einsicht gelangen liess. Patrick sagte, okay, wenn wir auf diese Art und Weise starten, müssen wir so lange über Ihrer Runway kreisen, bis der letzte gestartet ist, um hier die Formation bilden zu können. Dieses war dem Controller offensichtlich noch ungeheuerlicher, so dass er schliesslich die Erlaubnis erteilte, dass wir starten konnten, wie wir wollten. So wie beim CFI üblich, stellten sich alle Motorsegler auf der Startbahn auf, jeder startete mit eigenem Sicherheitsabstand zum Vormann.



Von Bastia aus flogen wir erst einmal Richtung Corte, wobei wir die ganze Zeit steigen mussten. Korsika hat recht hohe Berge, die überflogen werden wollten. Beruhigend war, dass in Corte selbst ein Flugplatz ist, allerdings hätte in der ersten Phase des Fluges der Motor nicht ausfallen dürfen. Auch hier nutzten viele wieder ihre segelfliegerischen Kenntnisse, um schneller Höhe zu gewinnen. Nachdem der Pass hinter Corte überflogen war, konnte wieder Höhe abgebaut werden. Man sah schon recht rechts die Bucht von Ajaccio mit der Stadt und dem Flughafen. Vor uns lag die Bucht von Propriano, dort war die Landebahn 28 in Betrieb. Diese erwies sich allerdings als ungünstig, weil die Flugzeuge auf der Bahn hätten zurück rollen müssen, um abgestellt werden zu können. Deshalb wurde auf unseren Wunsch hin kurzerhand die Landebahn gedreht und alle Flugzeuge landeten auf der 10. Hier trafen wir auf die italienischen Piloten (Diego und Simone Comellini sowie Paolo Capellini und Franco Bolzoni), die mit 2 RF-5 bereits zwei Tage vorher in Propriano angekommen waren. Sie hatten sich trotz des starken Windes durchgeschlagen. Die Landebahn von Propriano liegt direkt am Meer. Man geht die 28 runter und ca. 200 Meter hinter dem Ende der Bahn ist ein sehr schönen Strand. Es macht Spass, hier zu baden, die Wellen sind recht hoch. Ferner führt ein Fluss direkt an der Landebahn ins Meer, dort ist das Wasser in einer kleinen und flachen Bucht schön warm, man kann hier das Salzwasser wieder abwaschen.

Mit dem Chef des Restaurants am Fugplatz, Herrn Christian Castel, war bereits vorher ausgehandelt worden, dass wir als Gruppe am Abend dort essen würden. Das Essen wurde vorher bestellt, da wir nunmehr, zusammen mit den Italienern und dem Belgier (Michel Baar) ein Gruppe von 31 Piloten waren und deshalb eine entsprechende Vorbereitung notwendig war. Es gab am Abend ein sehr schönes Lammessen, andere wählten Fisch.

Dienstag, 06. Juni 2001
An diesem Tag war nur der Rückflug von Propriano bis nach Cremona (Norditalien) geplant. Wir hatten schon vorher erfahren, dass offensichtlich nur dieser Tag für eine Alpenüberquerung gut sein würde, deshalb versuchten wir so früh wie möglich zu starten. Nach dem Start in Propriano flogen wir zunächst Richtung Ajaccio an der Küste entlang. Es ging an der Steilküste weiter Richtung Calvi, von Calvi über Bastia nach Elba. Die Sicht war dieses mal so gut, dass wir von Bastia die 60 km entfernt liegende Insel Elba sehen konnten. Wir flogen diesmal nördlich an Elba vorbei wieder an der Küste entlang, durch die Kontrollzone von Pisa Richtung Massa.
Dort bogen wir nach rechts ab, und folgten der Autobahn durch den Apennin. Wir mussten kräftig steigen, um den Apennin zu überqueren. Es gab im Gebirge starke Aufwinde, die es uns erleichterten, diese Höhe zu gewinnen. Wir stiegen mit unserem Motorsegler auf ca. 6.500 ft dieses reichte, um sicher über das Gebirge zu fliegen. Die Navigation war recht einfach, da wir nur der Autobahn folgen mussten. Danach leitet uns ein fast ausgetrockneter Fluss Richtung Parma. Wir umflogen die Kontrollzone von Piacenza und an Parma vorbei direkt bis nach Cremona.

In Cremona war die Landebahn 29 in Betrieb, die jedoch für eine so grosse Gruppe von Motorseglern ungeeignet war. Da die Abstellflächen an der 11 lagen, hätten alle gelandeten Motorsegler auf der Landebahn zurückrollen müssen, da es keinen eigenen Rollweg gab. Wir baten Cremona, die Landerichtung zu ändern, damit wir auf der 11 sofort auf die Abstellfläche rollen konnten. Da nur ein geringer Rückenwind von 5 Knoten herrschte, war Cremona hiermit einverstanden, wir landeten auf der 11. Obwohl die Tankstelle normalerweise zwischen 13 und 15 Uhr geschlossen hat, war man sofort bereit, diese Betriebszeit zu unseren Gunsten zu ändern. Die Motorsegler wurden alle aufgetankt, wir nahmen ein Mittagessen zu uns. Gegen 15.15 Uhr starteten wir in Cremona, um über die Alpen nach Hause zu fliegen.

Nach dem Start in Cremona folgten wir zunächst der Autobahn in nördlicher Richtung, umflogen die Kontrollzone von Montichiari, um dann in östlicher Richtung direkt auf den Gardasee zuzufliegen. Die Italiener hatten uns gesagt, wir sollten versuchen, am Osthang des Gardasees, der um diese Zeit von der Sonne voll beschienen wurde, Höhe zu gewinnen. Dieser Ratschlag erwies sich als richtig, die Hangaufwinde und auch die Thermik über den östlichen Hängen war gut, so dass die notwendige Höhe erreicht werden konnte, um den Brenner zu überfliegen. Erforderlich waren mindestens 6.000 ft, einige sind sogar bis auf 10.000 ft gestiegen. Die terrestrische Navigation war sehr einfach, wir brauchten nur der Brennerautobahn zu folgen. Vor dem Flug hatten wir Wetter in München eingeholt. Man teilte uns mit, dass das Wetter für den heutigen Tag ausgesprochen gut sei. Die Meteorologen hatten rechtbehalten: Blauer Himmel, kein Wölkchen weit und breit, es war ein tolles Flugwetter, um über die Alpen zu fliegen. Das Panorama war überwältigend. Wir flogen, von Süden her kommend, zuerst am Rosengarten vorbei. Danach kam das Grödnertal, auf der rechten Seite waren die Dolomiten zu sehen. Auf der linken Seite sah man Sterzing. Oben auf den Gipfeln lag noch Schnee. Wir nutzten mit der Grob G-109b möglichst viele Aufwinde. Dadurch kamen wir relativ schnell nach oben. Die Grenzstation am Brennerpass war deutlich zu erkennen. Nach dem Brennerpass lag links das Wipptal und der Stubaier Gletscher, vor uns das Inntal, und mittendrin konnte man Innsbruck erkennen. Wir mussten uns dort beim Tower melden, weil wir die Kontrollzone durchfliegen mussten. Leider war die Gruppe etwas zerfallen, so dass man nicht mehr von einer Formation sprechen konnte.

Patrick übernahm wieder den Funk und musste sich nachher die Kritik des Controllers anhören, dass wir nicht als Gruppe geflogen seien. Man habe (netterweise) das gesamte Inntal für andere Flieger wegen uns gesperrt. Der Controller schlug vor, dass man das nächste mal nur Gruppen von maximal 5 Flugzeugen mit einem Sprecher bildet. Wir folgten dem Inntal und flogen über den Fernpass Richtung Reute. Nach Reute verliessen wir die Alpen und flogen weiter. Ein Teil der Gruppe machte noch einen Tankstop in Leutkirch. Wir hatten mit der Grob G109 b genug Sprit, um bis nach Speyer durchzufliegen. Ich setzte dort meine Frau ab, die mit dem Auto nach Speyer gekommen war. Danach flog ich noch weiter bis Mönchengladbach, das ich gegen 20.50 Uhr erreichte. Ich bin an diesem Tag ca. 1.300 km geflogen. Ich hätte nie gedacht, dass man so viel mit einem Motorsegler an einem einzigen Tag schaffen kann.. Als ich abends den Hallenwarten in Mönchengladbach erzählte, ich sei heute morgen aus Korsika gekommen, wollte dieses keiner glauben.

Es war mal wieder ein toller Flug mit dem CFI. Alle Piloten flogen äusserst diszipliniert. Es war ein schönes Bild, wenn man die Patroullie Fournierì sah, wie sie einem Fischschwarm gleich, sich fortbewegte. Ich flog mit der Grob G 109 b immer an 7. bis 8. Stelle und konnte vor mir, die RF-5 en von Patrick Faucheron (D-KOPF) und von Eva und Erwin Müller (D-KAHD) sowie die beiden Power-RF-4 von Jochen Otte (D-KAQI) und Peter Bälzle (D-KOHE) sehen. Mir hat dieser Flug nach Korsika so gut gefallen, dass ich ihn sicher noch öfters machen werde. Sowohl der Hinflug über Bourg en Bresse, den französischen Alpen, Nizza, entlang der Küste über Elba nach Bastia war so beeindruckend, dass ich diese Eindruckslawine erst einmal verarbeiten muss. Was wir in fünf Tagen mit 20 Flugstunden und ca. 3.200 km Flugstrecke erlebt haben, erleben nicht viele Piloten. Leider konnten wir den Ort Propriano selbst nicht erkunden, da uns hierzu die Zeit fehlte. Wenn man jedoch das Glück hat, nicht so viel Wind zu erwischen und dort zwei Tage zur Verfügung hat, so glaube ich, dass gerade die Umgebung von Propriano sehr schön ist. Wir haben jetzt einen ersten Eindruck vom Flugplatz gewonnen, man kann dort sehr gut campen. Die Bademöglichkeiten sind excellent, das Restaurant ebenso. Ein Grund mehr, den Flug im nächsten Jahr zu wiederholen.

Wer mehr Informationen über die Reisen des CFI haben möchte bekommt dies unter www.cfi-eV.scram oder unter www.aeroclub77.de

Christian Müssemeyer

 

Korsika 2001