Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Flug in die Auvergne nach Lapalisse vom 08.-11.09.2000
Fliegertreffen des Club Fournier International (CFI) bei Clermont Ferrant

Viele Mitglieder des Aeroclubs 77 sind zugleich in einem Internationalen Verein, dem „Club Fournier International“. Dieser Verein, dessen Piloten zumeist begeisterte Anhänger von Flugzeugen des französischen Konstrukteurs, Rene Fournier, sind, veranstaltet in jedem Jahr einige große Flugreisen innerhalb Europas mit Motorseglern dessen Piloten aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Italien kommen.  

Der CFI hatte für das zweite Wochenende im September 2000 wieder zu seinem inzwischen schon zur Tradition gewordenen Treffen nach Lapalisse eingeladen. Nachdem Hans und Uwe Wirtz mit der RF-5 (D-KEMP) schon 1999 dort waren und uns von dem Flug und dem Fliegertreffen dort vorgeschwärmt hatten, wollten in diesem Jahr mehrere Piloten nach Lapalisse. Da mehr Interessenten als Pilotensitze vorhanden waren, musste meine Frau Ingrid mit dem PKW nach Speyer fahren, um mit Patrick Faucheron, dem Präsidenten des CFI in Deutschland, in der D-KOPF mitzufliegen. Speyer ist Zentrum des CFI, hier ist allgemeiner Treffpunkt für größere Flüge ins Ausland.  

Das Wetter meinte es wieder einmal sehr gut mit uns, denn pünktlich zu Freitag, dem 8.9.2000, legte sich ein riesiges Hoch über Europa und sorgte großräumig für gutes Wetter. Gegen 13.00 h flogen wir in Mönchengladbach los und waren 1 ½ Stunden später in Speyer. Am Motor von Partrick Faucherons Motorsegler, der D-KOPF, war in den Tagen vor dem Flug Ölverlust aufgetreten. Patrick konnte zwar das Leck abdichten und auch ein Probeflug verlief ohne Befund, sicherheitshalber orientierte sich die Route nach Lapalisse an schnell erreichbaren Plätzen. Patrick wollte auch stündlich landen, um den Ölstand zu kontrollieren. Mit Flugplan starteten sieben Motorsegler gegen halb vier Richtung Schweighofen an der französischen Grenze. Dann ging es über das Elsass nach Sarrebourg an Dijon vorbei und durch die Kontrollzone von St.-Yan.



Gegen 18 Uhr landeten wir in Lapalisse, und mein Handy klingelte. Es war meine Frau. Patrick und sie waren südlich von Dijon in Nuits-St.-Georges gelandet, weil der Motor plötzlich massiv Öl verloren hatte. Könnten wir sie vielleicht noch abholen? Uwe Wirtz und ich rechneten kurz nach, ob wir es noch vor Einbruch der Dunkelheit schaffen würden. Da es außerordentlich knapp war, entschlossen wir uns, sofort zu starten. Uwe flog mit der D-KEMP (RF-5), ich mit der D- KEOI (Grob G 109b). Die Flugvorbereitung mussten wir während des Fluges machen, wobei sich noch eine Schwierigkeit ergab, weil ein Flugplatz mit einer falschen Kennung in der Karte eingetragen war. Dadurch zeigte das GPS einen völlig verkehrten Kurs an. Nachdem wir das erkannt hatten, gaben wir einen Platz in der Nähe ein und flogen die letzten 30 km nach alter Väter Sitte mit Karte und Kompass. Einen Zeitverlust konnten wir uns nicht leisten, so dass Ingrid und Patrick bei laufendem Motor zustiegen, und ab ging’s zurück nach Lapalisse. Jetzt flogen wir gegen die Zeit, und uns war klar, dass wir zur Landung nicht mehr sehr viel Licht haben würden. In so einer Situation ist ein GPS äußerst segensreich, und ohne GPS wäre ich auch nicht geflogen.  

Nachdem wir die Kontrollzone von St.-Yan durchflogen hatten – es wurde schon merklich dunkler - nahmen wir Funkkontakt mit den Freunden in Lapalisse auf. Die dortigen Piloten kümmerten sich sofort darum, dass die Landebahn beleuchtet wurde. Eric stellte seinen PKW an das Ende der Landebahn und schaltete das Abblendlicht ein. Dank dieser Hilfe landeten wir problemlos. Jetzt waren alle heil in Lapalisse angekommen, und wir ließen den Tag bei einem guten Essen und französischem Rotwein gelassen ausklingen.  

Am nächsten Morgen flogen wir zuerst nach Roanne, einem Flugplatz, der ungefähr 50 km südöstlich von Lapalisse liegt. Wir flogen in Gruppen mit mehreren Flugzeugen. Der erste führte den Funksprechverkehr durch, die anderen folgten in Formation. Das Landen in Roanne war kein Problem. An diesem Tag fand hier ein Flugtag statt, so dass die Ankunft von über 20 Motorseglern für alle ein interessantes Erlebnis war. Es war sehr schön, über die für mich bis dahin völlig unbekannte Gegend zu fliegen, einer hügligen Landschaft mit sehr viel Grün, die nur dünn besiedelt ist.Nach dem Mittagessen in Lapalisse war dann der Flug über die Vulkane vorgesehen. Hier war von den französischen CFI-Piloten eine Route vorgeschlagen worden. Die Gruppen fanden sich selbst. Wir hatten eine gemeinsame Frequenz ausgewählt, auf der wir uns immer zusammenfinden konnten. In einer Gruppe von fünf oder sechs Motorseglern flogen wir über die Vulkane und bestaunten die herrliche Gegend. Es war schon ein tolles Erlebnis, diese erloschenen Vulkane von oben zu sehen. Der Flug führte von Lapalisse in südwestliche Richtung um die Kontrollzone von Clermont-Ferrand herum. Dann ging es entlang des östlich davon gelegenen Gebirgszuges zurück nach Lapalisse. Weil wir die Gebirge überfliegen mussten, waren wir sehr hoch, einige nutzten das, um nach Lapalisse zurückzusegeln.

Das für den Abend vorbereitete gesellschaftliche Ereignis, denn um ein solches handelt es sich nach französischem Selbstverständnis, und deswegen waren wir ja auch dorthin gekommen, warf seine langen Schatten in die leer geräumten Halle. Die Sonne stand riesengroß am Ende der 23, ein wunderbarer warmer Abend kündigte sich an. In der Halle waren auf langen Tischen Pokale und Buchgeschenke aufgebaut sowie ein Aperitif und Knabbereien vorbereitet. Um die gut hundert französischen, italienischen, schweizerischen, holländischen und deutschen Freunde und Gäste des CFI verständlich begrüßen zu können, war auch eine Verstärkeranlage bereitgestellt worden. Nachdem wir uns am Aperitif gestärkt, des vergangenen Fliegerjahres erinnert und Pläne für das neue geschmiedet hatten, formierten sich unsere Präsidenten, Ehrenpräsidenten und Gastgeber vor dem Mikrophon für die jeweiligen Reden und Danksagungen, verdiente Mitglieder wurden geehrt und Leistungen für den CFI gewürdigt. Anschließend setzten wir uns in dem Vereinsheim zu einem mehrgängigen Abendessen, das von den Clubmitgliedern organisiert worden war, zusammen. Die Franzosen verstehen es, mit Charme und Lebensart einem solchen Anlass Stil zu geben, und im Unterschied sehen wir das Gemeinsame, was uns verbindet und was auch den CFI auszeichnet.  



Für den nächsten Tag war der Rückflug nach Deutschland geplant. Wir flogen in einer Gruppe von vier Flugzeugen, unsere beiden Motorsegler sowie die Koblenzer und Uschi und Gunter von der Binz. Es wäre sträflich gewesen, bei dieser tollen Sicht auf das Alpenpanorama zu verzichten. Kurz nach dem Start zeichnete sich schon die Silhouette des Montblanc scharf am Horizont ab, und das aus einer Entfernung von 300 km. Wir stiegen auf 7000 Fuß und überblickten so das gesamte Alpenmassiv. Ein nicht zu vergessender Anblick. Unser Flug führte uns zuerst Richtung Bourg, danach drehten wir nach Nordosten und flogen entlang dem französischen Jura Richtung Mühlhausen und von dort nach Freiburg. wo wir nach etwa 2 ½ Stunden landeten, es gab absolut keine Wetterprobleme, das Wetter war wie ausgesucht für uns.  

In Freiburg legten wir eine kleine Rast ein. Hier teilte sich die Gruppe wieder auf. Wir flogen mit unseren beiden Motorseglern zurück nach Mönchengladbach, wo wir dann nach einer Flugzeit von weiteren 2 ½ Stunden sicher ankamen. Die D-KOBL begleitete uns noch bis Koblenz, Gunter flog mit der D-KEAN bis Speyer. Der ganze Flug war wiederum ein ganz tolles Erlebnis. Dadurch, dass wir auf der gesamten Strecke hervorragendes Wetter hatten, war das Fliegen ein entspanntes und genussreiches Vergnügen. Offensichtlich hat sich das Wetter auf den CFI eingestellt. Wir werden auch im nächsten Jahr wieder an dem Treffen in Lapalisse teilnehmen, denn so etwas kann man sich nicht entgehen lassen.  

Christian Müssemeyer

 

Lapalisse 2000