Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Flug nach Lapalisse 2006

19. Treffen des CFI


Am Wochenende vom 09./10.09.2006 hatte der Club Fournier International (CFI) zu seinem 19.Treffen nach Lapalisse geladen. Vom Aeroclub 77 Mönchengladbach flogen Hans und Uwe Wirtz mit der Katana (D-EZIC) sowie Miguel Rubia und Christian Müssemeyer in der G-109 b (D-KEOI). Henk und Elli Dumont begleiteten sie in ihrer Taifun, D-KFDI, hier der Bericht von Christian Müssemeyer:


Wir trafen uns am Freitag, dem 08.09.2006 um 13.00 Uhr auf dem Flughafen in Mönchengladbach, beide Flugzeuge hatten wir am Tag zuvor getankt, einen Sammelflugplan hatte ich morgens für alle Flugzeuge aufgegeben.


Henk und Elli kamen mit ihrer Taifun, D-KFDI, von Geilenkirchen herübergeeilt, so dass wir alle um 13:45 Uhr in Formation starten konnten. Ich startete als erster und übernahm das Funken, Henk und Uwe brauchten nur hinterher zu fliegen, das hat den Vorteil, dass wir alle hintereinander starten können, ohne dass den anderen eine eigene Startfreigabe gegeben wird und es reduziert das Funkgequatsche. Unsere Route führte von Mönchengladbach nach Aachen, dort ging es über die Grenze nach Belgien weiter nach Spa, welches wir umflogen, weil dort Fallschirmsprungbetrieb herrschte. Es ging weiter über das Hohe Venn, die Ardennen, einer herrlichen von Wiesen, Wäldern, Hügeln kleinen Flüssen und zahlreichen Schlössern geprägten Landschaft. Wir flogen am belgischen Segelflugzentrum St. Hubert vorbei, bei Montmedy überflogen wir die belgisch/französische Grenze.


Von Brüssel-Information (126,9) wechselten wir auf Paris-Information und flogen vom VOR Montmedy Richtung Troyes. Hinter den Ardennen wird die Landschaft flach wie ein Flachbildschirm, man findet nur noch riesige Felder, viel Landwirtschaft, wenig Wald, nur vereinzelt kleine Dörfer. In der Ferne tauchte die Marne auf, die wir überflogen, um dann nach zwei Stunden Flugzeit in Troyes zu landen. Wir hatten vor, dort zu tanken und eine kleine Kaffeepause einzulegen. Beides war uns nicht vergönnt, denn die Pumpe der Tankstelle war kaputt und das Restaurant hatte auch geschlossen. Glücklicherweise hatte Hans Wirtz einen Kuchen gebacken und versorgte uns damit. Wir hatten alle zum Glück so viel getankt, dass wir bis nach Lapalisse weiter fliegen konnten, wenn es auch mit der D-KEOI spannend wurde.


In Troyes trafen wir William Grey, eine Engländer, der mit seiner Piper Saratogo mal eben mit einer Gruppe anderer Flugzeuge nach Kapstadt und zurück geflogen war. Flugzeit: 114 Stunden. Es gibt doch noch Abendteurer auf dieser Welt. Er hat seine Reise beschrieben unter www.14east.org.


Wir starteten in Troyes und flogen dann direkt auf Südkurs nach Lapalisse. Die bis dahin flache Landschaft wurde nun vom üppigen Grün und den Hügeln der Auvergne abgelöst. Es gibt nur wenige Felder, im wesentlichen sind hier Wiesen und Weiden, kleinere Wälder, viele weiße Rinder (Charolais), ein paar kleine Dörfer und natürlich viele idyllische Chateaus. Nach 1 ¼ Stunden ereichten wir Lapalisse und nahmen Funkkontakt auf. Die Kommunikation war völlig problemlos, weil uns niemand antwortete. Dadurch gibt es keinerlei Missverständnisse, wir landeten einer nach dem anderen auf der Piste 05, alles ohne Funk und Flugleiter, das funktioniert überall, nur in Deutschland hat man etwas dagegen. Dort muss ein Flugplatz geöffnet haben und ein Flugleiter muss einem sagen, auf welcher Piste man landet.


Wir hatten eigentlich damit gerechnet, in dem Restaurant der Fallschirmspringer zu Abend zu essen. Leider stand uns dieses Restaurant nicht mehr zur Verfügung, weil der komplette Fallschirmsprungbereich an das Militär vermietet worden ist und uns gesagt wurde, wir könnten dort weder essen noch übernachten, was sich später als falsch herausstellte.


Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut hatten, besichtigten wir das neue Clubhaus und die neue Werkstatt des Aeroclub von Lapalisse. Eric des Gayetes und Josette, die uns empfangen hatten, schlugen vor, in Lapalisse zu essen. Sie organisierten drei PKWs, wir fuhren zu einem Restaurant in einer alten Wassermühle, direkt an einem Fluss gelegen - alles sehr schön -  wie in einem romantischen Film.


Als normaler Tourist hätte man dieses wunderschöne Restaurant nie gefunden. Von außen waren die hohen Wände mit Weinlaub bewachsen, innen war alles restauriert und sehr geschmackvoll eingerichtet. Wir wurden nett empfangen und tranken, bis wir das Essen bestellt hatten, draußen vor dem Restaurant erst einmal einen Aperitif. Da wir nur 10 Leute waren, war es sehr übersichtlich und wir haben dann in dem sehr stilvollen Restaurant sehr gut zu Abend gegessen. Es gab die verschiedensten Spezialitäten z.B. Kalbskopf, Ente, Perlhuhn, Fisch dazu guten Wein aus der Region. Ich habe selten so gut gegessen, in Frankreich zu essen ist ein Erlebnis, schon allein deshalb hat sich der Ausflug gelohnt.


Vor der Rückfahrt musste ich meine Schlangenmenschqualitäten ausnutzen, um in Eric’s PKW zu steigen. Ich kenne den Typ des PKWs nicht, aber es handelt sich um eine Mischung aus Gelände- und Strandwagen, der zwar ein abnehmbares Dach, dafür aber für die hinteren Sitze keine Türen hat. Ich musste mich zwischen dem Dach und dem Chassis hindurchschlängeln, was nicht gerade einfach war. Es gelang mir jedoch nach mehreren Versuchen, sehr zum Vergnügen von Henk, der es am liebsten mit seiner Kamera aufgenommen hätte. Eric brachte uns zurück zum Flugplatz von Lapalisse, wo wir in unseren Zelten übernachteten.


Am nächsten Morgen wurde vom Aeroclub Lapalisse ein Frühstück organisiert. Nach dem Frühstück entschieden wir uns, um die Kontrollzone von Clermont Ferrand herumzufliegen. Dafür stiegen wir auf 8.500 ft um über die erloschenen Vulkane der Auvergne zu kommen, dies ist jedes Mal ein sehr schöner Flug. Da Miguel Rubia dieses noch nicht gesehen hatte, war dieser Flug für ihn ein besonderes Airlebnis. Wir flogen westlich an Clermont-Ferrand vorbei Richtung Issoire. Als wir in Issoire waren, hörten wir im Funk die übrigen CFI-Flieger und beschlossen, unseren Flug abzubrechen und direkt durch die Kontrollzone von Clermont-Ferrand zurückzufliegen. Die Freigabe bekamen wir prompt und flogen dann schnurstracks nach Lapalisse, dort landeten wir dann gegen 12:30 Uhr.


Der Aeroclub von Lapalisse hatte ein Mittagessen organisiert. Hier traf ich Louis Gillot, den ich beim Deutschlandflug im Jahr 2000 kennen gelernt hatte. Er war mit einer Ximango aus Beaune gekommen, dort hat er ein Ferienhaus. Da wir am nächsten Tag Beaune besichtigen wollten, bot er uns sofort an, uns vom Flughafen abzuholen und in die Stadt zu fahren. Dieses Angebot haben wir am nächsten Tag angenommen.


Nach dem Mittagessen wartete bereits ein Bus auf uns, der uns zu einer Tour durch die Auvergne mit Besichtigung von zwei Kirchen und einem Schloss einlud. Bei der ersten Kirche handelte es sich um das Chatel-Montagne, einer romanischen Kirche, die um 1200 gebaut wurde. Wer mehr über diese Kirche wissen möchte, findet Informationen unter www.chatel-montagne.com. In dieser Kirche konnten auch diejenigen, die es wollten, ihre Beichte ablegen. Ein CFI-Mitglied hatte sich in den Beichtstuhl geschlichen und wollte uns erschrecken, fand aber keinen. Elli hatte sich an den Beichtstuhl getraut und erkannte sein Fliegerabzeichen auf seinem T-Shirt.


Von dieser Kirche aus fuhren wir zu einer weiteren Kirche in Abbonnes. Auch diese besichtigten wir kurz und fuhren dann weiter zum Chateau Busset. Hier handelt es sich um ein Schloss, das dem Lehnsherren de Tourzel Baron von Alègre zufiel, dessen Urenkelin Marguerite im Jahre 1498 Pierre de Bourbon, den Kammerherr von Ludwig XII, einem Vorfahren von Henk Dumont (aus Bourbon wurde später Dumont), heiratete. Die Familie Bourbon/Busset beeinflusste die Geschichte Frankreichs über viele Jahrhunderte, das Schloss war mehr als 500 hundert Jahre im Besitz der Familie.


Das Schloss ist ein architektonisches Meisterwerk, welches das Mittelalter mit der Renaissance verbindet. Es ist eines der bedeutendsten Schlösser in der Auvergne. Hier hielt sich auch Henri (Henk) IV, künftiger König von Frankreich auf. In dem Schloss ist nunmehr teilweise ein Hotel untergebracht. Wer mehr Informationen haben möchte, findet diese unter www.busset.com.


Nach einer Führung durch dieses Schloss fuhren wir weiter zu einer Kirche in Verseilles, die wir nur von außen besichtigten. Hier hatte man einen schönen Blick über die Landschaft. Wir genossen den Ausblick über das Tal, anschließend ging es zurück nach Lapalisse.


Vor dem Abendessen gab es vor dem neuen Clubhaus des Aeroclubs von Lapalisse einen Aperitif und die traditionellen Ansprachen. Wir gedachten dem im Sommer 2006 plötzlich verstorbenen Präsidenten des Aeroclubs von Lapalisse, Jean Paul Citerne. Michel Leblanc erinnerte an die Verdienste von Jean Paul Citerne, der in all den 18 Jahren zuvor die CFI-Treffen in Lapalisse organisiert hatte. Sein Nachfolger hob hervor, dass der CFI ein internationaler Verein ist, in dem das F auch für Fraternitée, d.h. die Freundschaft unter den Piloten aus den verschiedenen Ländern stehe. Dieses bewiesen die anwesenden Piloten aus Frankreich, Deutschland, Schweiz, Holland und Spanien, die schon viele Flüge gemeinsam geflogen haben.


Danach gab es Abendessen im neuen Clubheim des Aeroclub’s, es waren mindestens 60 Personen dort, die meisten kamen dieses Mal aus Frankreich. René Fournier, der Konstrukteur und Namensgeber der Fournier-Flugzeuge war mit Guy Biard gekommen, er erzählte wieder einen seiner Witze, danach gab es ein gutes französisches Diner.


Am nächsten Morgen flogen wir von Lapalisse nach Beaune und landeten dort nach einer halben Stunde Flugzeit. Louis Gillot empfing uns und brachte uns in das Stadtzentrum. Beaune ist eine schöne alte, sehr historische Stadt mit dem berühmten Hotel Dieu, dieses war ursprünglich Sitz der Grafen, später wurde es als Krankenhaus genutzt und nunmehr ist es ein Museum. Die recht übersichtliche Innenstadt ist für den Autoverkehr gesperrt, so dass man ungestört durch die Straßen schlendern kann. Nach drei Stunden Besichtigung fuhren wir dann zurück zum Flugplatz, gaben dort einen Flugplan auf und flogen zurück nach Deutschland.


Am Flugplatz von Beaune war kein Flugleiter, trotzdem gelang uns der Start. Wir aktivierten über Reims-Info unseren Flugplan und flogen schnurstracks nach Norden, vorbei an Nuits St. Georges, wo Uwe Wirtz und ich vor 6 Jahren Patrick Faucheron und meine Frau Ingrid abgeholt hatten als Patricks Motor streikte. Wir flogen über das Plateau d’Langres, einer Landschaft aus Wiesen, Wäldern und Feldern. Links vor uns tauchte der riesige See Lac du Chantecoq auf. Wir fragten im Funk nach, ob die restricted aerea vom Flughafen St. Dizier aktiv war, war sie nicht, deshalb bretterten wir durch. Über den Foret d’Argonne flogen wir direkt zum VOR MMD. Kurz dahinter überflogen wir die belgisch-französische Grenze bei Montmédy und weiter über die Ardennen, an einer brennenden Holzhandlung vorbei Richtung Spa, von da aus nach Aachen. Nach Überfliegen der deutsch/belgischen Grenze habe ich dann den Flugplan bei der FIS in Langen gecanceled, weil wir ihn in Deutschland nicht brauchten. Dadurch konnte Henk Dumont mit seiner schnellen Taifun direkt nach Geilenkirchen fliegen, wir landeten 15 Minuten später in Mönchengladbach, die Katana mit Hans und Uwe Wirtz war 5 Minuten vor uns gelandet.


Es war wieder einmal eine sehr schön Reise nach Lapalisse, die man unter Airlebnis Fliegen im Gedächtnis behält. Es sind letztendlich diese Flüge, die das Fliegen im Aeroclub 77 in Mönchengladbach so erlebnisreich machen. Wir sind von Beaune bis nach Mönchengladbach in 2:40 h geflogen, mit dem Auto hätten wir den ganzen Tag gebraucht. Wir haben viele neue Eindrücke mitgenommen und haben schon Pläne für weitere Reisen geschmiedet. Es macht Spass, mit mehreren Flugzeugen zu fliegen, man kann sich die Aufgaben teilen und es ist stressfreier als allein. Es ist auch schön, wenn man mit mehreren solche Airlebnisse teilt.


Christian Müssemeyer  



 

Lapalisse 2006