Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Überführungsflug der KEMP nach Rimini


Die D-KEMP wurde im April 2002 an einen Italiener, Herrn Gianfranco Bedetti, in Rimini, verkauft. Als sie zur Jahresnachprüfung nach Grefrath geflogen wurde, hatte Hans Wirtz vergessen, das Fahrwerk auszufahren, dadurch wurde der Propeller beschädigt und es musste ein Chock-Loading vorgenommen werden. Dafür wurde der Motor zur Firma Sauer gebracht und dort eingehend überprüft. Die Lieferung des neuen Propellers dauerte 4 Wochen.
Nachdem die KEMP am 29.05.2002 endlich fertiggestellt worden war und eine frische Jahresnachprüfung erhalten hatte, warteten wir nur noch auf gutes Wetter, um sie nach Rimini zu fliegen. Wir hatten dem Käufer die Überführung der KEMP nach Rimini zugesagt, da er zuvor noch nie RF-5 geflogen war.


Nach einer längeren Schlechtwetterphase hatte sich für den 14.06.2002 gutes Wetter angekündigt. Deshalb planten wir, Uwe Wirtz und ich, die KEMP am 14.06.2002 nach Rimini zu überführen. Wir hatten uns bereits mehrere Tage zuvor mit der Flugvorbereitung beschäftigt und alle Karten genauestens studiert. Die Lufträume in Italien unterscheiden sich von unseren Lufträumen vor allem in einem Punkt. Es gibt große Gebiete, in denen man lediglich 1.000 bis 1.500 ft über Grund fliegen darf (also die übliche CFI Höhe, die in Italien zum Gesetz wurde).
Wir mussten bis Sonnenuntergang plus 30 Minuten d.h. bis 21:20 Uhr MEZ in Rimini sein. Bei der Flugvorbereitung stellten wir fest, dass der Sonnenuntergang in Rimini etwa eine Stunde früher ist als bei uns. Ich hatte mit maximal einer halben Stunde gerechnet und war erstaunt, als das GPS mir eine volle Stunde anzeigte.


Wir planten den Flug mit zwei Zwischenstops in Leutkirch und in Trento. Die letzte mögliche Abflugzeit, um noch am selben Tag in Rimini anzukommen, war 14.00 Uhr MEZ. Später durften wir keinesfalls abfliegen, denn dann wäre es Nacht geworden und nachts kann die KEMP bekanntlich nicht landen.




Die KEMP hatten wir schon am Tag vorher vollgetankt und gecheckt, so dass wir am nächsten Tag nur einsteigen und loszufliegen brauchten. Uwe Wirtz kam gegen 13.30 Uhr, so dass wir um 13.45 Uhr zu dem Flug nach Rimini abhoben. Schon gleich nach dem Start gab es die ersten Schwierigkeiten. Obwohl wir vorher nie Probleme mit dem Fahrwerk hatten, ließ sich dieses nicht einfahren. Uwe Wirtz sagte, er stoße gegen einen Widerstand und wisse nicht, was es ist. Unglücklicherweise ließ sich das Fahrwerk auch nicht wieder ausfahren, so dass wir schon befürchteten eine weitere Bauchlandung zu machen. In dieser Situation flog ich die KEMP erst einmal vom hinteren Sitz, so dass sich Uwe voll und ganz auf das Fahrwerk konzentrieren konnte. Er schaffte es, das Fahrwerk auszufahren und zu verriegeln. Um keine Zeit zu verlieren beschlossen wir, mit ausgefahrenem Fahrwerk bis nach Leutkirch zu fliegen. Wir hatten genügend Sprit dabei, so dass wir den Hapag-Lloyd-Effekt nicht zu befürchten brauchten.


Das Wetter war am Anfang noch nicht so gut, es besserte sich jedoch zunehmend, und wurde nach Süden hin immer besser. Wir flogen entlang unsere üblichen Rheinschiene, links der Rhein und rechts die A 61 (Verfransen unmöglich!!) über Nörvenich, Bad Neuenahr, Koblenz, vorbei am Binger Loch Richtung Speyer. Dort schauten wir, ob der Lufthansa Jumbo schon aufgebaut war (war er nicht), und flogen dann direkt nach Leutkirch. Leider lag der Flughafen von Stuttgart schon wieder mitten im Wege. Wir bekamen jedoch vom Stuttgarter Turm die Freigabe durch die Kontrollzone und über den Platz zu fliegen. Nach 2:40 h Flugzeit landeten wir sicher in Leutkirch.


Wir hatten schon vorher vermutet, dass die Schwierigkeiten mit dem Fahrwerk offensichtlich mit einer der seitlich angebrachten Schwingen, die die Fahrwerksklappen abweisen sollen, zusammenhängt. Die rechte Schwinge war etwas nach außen gebogen und stieß gegen die Fahrwerksklappe. Dieses war der Grund, dass sich das Fahrwerk nicht einfahren ließ. Wir bogen die Schwinge zurück und hatten anschließend überhaupt keine Schwierigkeiten mehr, das Fahrwerk ließ sich wieder problemlos ein und ausfahren.


Da wir sehr in Zeitdruck waren, tankten wir die Maschine so schnell wie möglich, bezahlten und flogen gegen 16:45 Uhr von Leutkirch weiter nach Trento. Wir hatten schon vorher einen Flugplan aufgegeben, so das wir hierdurch keine Zeit mehr verloren. Der Flugweg führte über Kempten nach Füssen. Dort wurde die deutsch-österreichische Grenze überflogen. Von dort aus ging links an Reute vorbei in das Ferntal. Am Ende des Ferntals setzten wir den Blinker nach rechts, bogen ab und umflogen das Mimminger-Gebirge. Danach setzen wir den Blinker links, bogen ab und flogen direkt in das Inntal.


Hier ist man direkt vor dem Einflugpunkt Whiskey 1, der Kontrollzone von Innsbruck. Wir meldeten uns bei Innsbruck-Turm, der Durchflug durch die Kontrollzone von Whiskey 1 nach Sierra wurde uns gestattet, wir mussten uns nur immer an der südlichen Seite des Inntals halten. Nachdem wir den Patscherkofel, umflogen hatten, ging es weiter durch das Stubaital, immer entlang der Autobahn in Richtung Brenner. Hier mussten wir uns noch einmal im Funk bei Innsbruck Turm melden und konnten dann auf italienische Frequenzen umschalten. Da man hier jedoch erfahrungsgemäß keinen Funkkontakt bekommt, meldeten wir uns erst kurz vor Erreichen von Bozen, bei Bolzano Info, um dort das Überfliegen bzw. Durchfliegen der Kontrollzone anzukündigen.




Das Wetter war bis Bozen hervorragend, wir hatten eine ganz tolle Sicht auf die Dolomiten. Die Sicht war nur durch die Erdkrümmung begrenzt. Wir konnten den Rosengarten, das Sella Gebirge als auch den Langkofel und die Marmorlata deutlich erkennen. Die Lichtverhältnisse waren besonders gut. Die Sonne schien aus Westen auf die östlich unserer Flugroute liegenden Dolomiten und erzeugte ein recht warmes und angenehmes Licht. Es wäre das richtige Wetter gewesen um Luftbildaufnahmen zu machen.


Das gute Wetter reichte leider nur bis Bozen. Danach änderte sich das Wetter, je weiter wir nach Süden kamen. Man sah deutlich eine Warmluftmasse einfließen, es war dunstige Luft und es war deutlich zu spüren, dass es wesentlich wärmer und sehr viel böiger wurde. Während wir ursprünglich den Wind im Rücken hatten, drehte der Wind nunmehr auf Süd, so dass wir den Wind auf der Nase hatten. Der Anflug auf Trento war sehr turbulent, jedoch problemlos, weil der Wind mehr oder weniger auf der Bahn stand.


Wir hatten schon im Funk angekündigt, dass wir schnell auftanken wollten, um dann nach Rimini weiterzufliegen. Der Flugleiter in Trento war sehr kooperativ, er setzte sich sofort auf sein Fahrrad und fuhr zur Tankstelle, wo wir tankten. Bereits 20 Minuten später, so gegen 19:00 Uhr MEZ waren wir schon wieder in der Luft und flogen dann im Etschtal Richtung Süden. Es war sehr dunstig und wir hatten relativ starken Gegenwind. Wir hatten uns in Trento erkundigt, man teilte uns mit, das Wetter würde hinter dem Gardasee wieder spürbar besser werden.
Wir folgten immer der Etsch entlang, die eine gute Leitlinie für uns war. Den Gardasee, der rechts von uns liegen musste, konnten wir leider wegen des dazwischen liegenden Gebirges, dem Monte Baldo nicht sehen. Als wir in Höhe des nördlichen Teils des Gardasees waren, bogen wir nach links ab, und flogen etwa in einer Höhe von 4.000 ft links an der Kontrollzone von Garda vorbei im Direktkurs auf Imola.


Hinter Verona hörte das Gebirge auf und es waren nur noch riesig große Felder mit vielen, vereinzelten Bauernhöfen zu sehen. Man sah weiterhin viele Kanäle, die durch das Land zogen, es muss früher einmal ein Sumpfgebet gewesen sein, welches man durch Kanäle trocken gelegt hat. Die Navigation war einfach, dank GPS, jedoch gab es auch gute Leitlinien wie Autobahnen, bzw. die Esch (Adige), die lange Zeit neben unserem Kurs verlief. In diesem Bereich konnten wir in einer Höhe von 4.000 ft fliegen. Da es sehr dunstig war, gingen wir etwas tiefer, um besser navigieren zu können.
Die Flugstrecke führte links an der Kontrollzone von Bologna vorbei. Je näher wir an die Kontrollzone kamen, um so tiefer mussten wir fliegen. Hier dürfen teilweise nur Höhen von maximal 1.000 bis 1.500 ft über Grund geflogen werden. (Hier hat man die übliche CfI Höhe schon gesetzlich festgelegt).




Hinter Imola wird die Gegend wieder gebirgiger. Es gibt sehr viele kleine Hügel mit malerisch aussehenden Dörfern, die meistens auf den Hügeln liegen. Wir mussten sehr tief fliegen, weil wir in die Nähe der Kontrollzone von Rimini kamen. Hier gibt es neben der riesigen Kontrollzone vorgeschriebenen VFR-Strecken mit Pflichtmeldepunkten. Wir hatten diese in das GPS einprogrammiert und folgten dieser Strecke. Als wir uns kurz vor dem Einflug in die Kontrollzone bei Rimini meldeten, gab es etwas Stress. Man hatte offensichtlich erwartet, dass wir einen Flugplan abgegeben hätten, was wir natürlich nicht getan hatten. Daraufhin fragte man uns, was wir denn überhaupt für ein Fluggerät hätten, man hielt uns offensichtlich für eine UL. Als wir dieses verneinten und sagten, wir seien ein Single-Engine aircraft und genauso groß und schnell wie eine Piper ließ man uns in die Kontrollzone.


Zu allem Überfluss fiel in diesem Moment, wo wir es am wenigsten gebrauchen konnten, das GPS aus. Wir konnten nur schätzen, wo der Einflugpunkt war und meldeten uns dementsprechend vage. Glücklicherweise hatten wir ein VOR an Bord und konnten dann den Radial angeben, auf dem wir uns befanden. Trotzdem gab es Stress, der auch durch das dunstige Wetter noch bedingt war. Man hatte uns eine Freigabe zum Einflug in die Kontrollzone gegeben und wir sollten den rechten Gegenanflug melden. Dar wir jedoch bereits in Verlängerung des Queranfluges waren, baten wir, sofort in den Queranflug zu gehen, um dann zu landen. Daraufhin bekamen wir zur Antwort, nein, wir sollten den rechten Gegenanflug melden. Dieses missverstanden wir und überflogen den Platz, um den Gegenanflug von der anderen Seite zu machen. Schlussendlich konnten wir jedoch sicher landen und es gab auch keinen Ärger oder Stress, da der Controller Verständnis für unsere Schwierigkeiten hatte. Die Gesamtflugzeit von Mönchengladbach nach Rimini betrg 6:30 h Flugstunden. Wir landeten genau bei Sunset, d.h. um 20:50 Uhr MEZ. Wir waren froh bei diesem diesigen Wetter nicht noch später zu landen.


Die RF-5 stellten wir auf dem Flughafen ab, sicherten sie, der Käufer, Franco Bedetti, wartete bereits auf uns. Er hatte für uns ein Zimmer in einem direkt am Strand gelegenen Hotel organisiert. Abends gab es ein hervorragendes Essen in Rimini.




Am nächsten Tag flog ich mit Franco von Rimini nach Fano, einem Platz etwa 35 km südlich von Rimini, direkt am Stand gelegen. Ich hatte den Motor der KEMP schon laufen und musste danach noch sehr lange, etwa 20 -25 Minuten warten, bis wir endlich starten konnten. Wir standen die ganze Zeit in der prallen Sonne, dieses verträgt die KEMP offensichtlich nicht so gut. Als wir starteten, lief der Motor nicht mit voller Leistung. Er vibrierte und hatte den gleichen Effekt, den wir schon einmal festgestellt hatten, als wir in Bordeaux-Evreux hatten. Ich meldete dem Turm, dass ich unter Umständen noch einmal landen werde. Der Turm fragte, ob ich emergency erkläre. Antwort: Nein, noch nicht. Als ich das Gas etwas zurücknahm, stabilisierte sich der Motor und lief völlig normal weiter. Daraufhin flogen wir entlang der Küstenlinie bis nach Fano, wo wir landeten.


In Fano erwarteten uns schon einige Freunde von Franco, die die KEMP eingehend untersuchten. Man war zwar nicht so sehr von dem äußeren Erscheinungsbild angetan, dafür jedoch um so mehr von der gesamten Technik. Insbesondere von dem Motor, dem Instrumentenbrett und der gesamten Innenausstattung.


In Fano flog ich zuerst mit einem Freund von Franco, Carlos Mariani, einem 737-Kapitän (il commandante). Er ist begeisterter RF-4 Flieger, er hatte einmal eine eigene RF-4. inzwischen ist er auf eine JAK-52 umgestiegen und ist bei vielen Kunstflugvorführungen auf Flugtagen, wo er im Verband mit einer weiteren JAK 52 fliegt. Danach folgten einige Starts mit Franco, der zuvor noch nie RF-5 geflogen hatte. Er brauchte einige Starts, um sich an die RF-5 zu gewöhnen.


Am Abend flogen wir dann zu einem kleinen UL-Flugplatz. Ich wunderte mich schon, warum wir immer so tief flogen, teilweise so tief, dass wir in dem gebirgigen Gelände nicht über den Dörfern, sondern neben und unter den Dörfern flogen. Den Grund hierfür erfuhr ich später. Der UL-Flugplatz liegt innerhalb der Kontrollzone und es war nicht genau herauszubekommen, ob er nun legal oder illegal war, auf jeden Fall wurde mir gesagt, er werde in einigen Tagen legalisiert. Den Flugzeugen und den UL's war es egal, sie ließen sich nichts anmerken. Es handelt sich um einen 500 m langen Grasplatz, der sehr gepflegt ist und wo etwa 40 ULs und auch Motorsegler stehen. Jeder hat eine kleine Box, in der jeder seine UL oder Motorsegler untergestellt hat. Die Boxen bestehen aus einem Metallgerippe, die mit einer festen Kunststoffplane umspannt sind. Die Boxen sind mit einem sehr festen Zelt zu vergleichen. Das ganze macht einen guten und gepflegten Eindruck. Es ist ständig jemand am Platz, der aufpasst und bei großer Hitze auch die Tore öffnet, damit es in den einzelnen Boxen nicht zu warm wird. Die 40 Piloten zahlen jeder pro Jahr etwa 250 Euro für die Pflege des Platzes. Weitere Kosten fallen nicht an (von solchen Kosten träumen wir in Mönchengladbach).


Nachdem wir die Maschine überführt hatten, fuhren wir mit Franco erst einmal zu einem Verwandten, der in der Nähe ein kleines Weingut hatte. Dort probierten wir in der Scheune, umgeben von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Geräten, einen selbstgemachten Grappa und erhielten anschließend eine ganze Flasche davon. Anschließend fuhren wir nach Rimini, um dann am Abend in einem kleinen Bergdorf in einem offensichtlich nur den Italienern bekannten Restaurant, die für die Gegend typischen Gerichte einzunehmen. Wir konnten kein Gericht auswählen, es wurde das gegessen was auf den Tisch kam. Alles was das Meer an Fisch in dieser Gegend hergibt, wurde gegrillt und serviert. Die Auswahl war riesig, dazu gab es natürlich Brot, Wein und Wasser.


Am nächsten Tag, dem Sonntag, verabschiedeten wir uns von Rimini. Rimini ist eine wunderschöne und gepflegte Stadt, die sehr auf Touristen eingestellt ist. Der Strand ist kilometerweit und wie uns Franco mitteilte, werde im Sommer ein etwa 20 km-langer Tisch entlang dem gesamten Strand aufgebaut, an dem gegessen und getrunken und gefeiert werde. Es muss schon echte gute Stimmung hier sein. Es lohnt sich Rimini zu besuchen.


Wir fuhren wieder zu dem kleinen UL-Flugplatz und übten dort ein wenig mit der KEMP. Nachdem Franco sich einigermaßen eingeflogen hatte, gab es noch einmal ein sehr gutes italienisches Essen. Danach brachte Franco zuerst mich nach Bologna und Uwe nach Bergamo, von wo wir zurückflogen. Wir haben versprochen, mit unseren beiden Flugzeugen einmal nach Fano zu kommen. Fano wäre ein guter Ausgangspunkt, um dort einen Miniurlaub zu verbringen. Der Platz ist riesig groß, man hat keine Schwierigkeiten mit Unterstellen usw. Wir können uns an Franco wenden, er würde uns Hotel usw. besorgen.


Wie bei vielen anderen Flügen hat sich wieder gezeigt, dass diese großen Flüge völlig unproblematisch sind, wenn sie gut vorbereitet sind. Wir haben heutzutage wesentlich bessere Informationen als noch vor vielen Jahren. Dieses betrifft vor allem die Möglichkeit über den Computer das Wetter für den gesamten Flug abzuchecken. Des weiteren bekommt man über das Internet gute Informationen. Anhand der Sattelitenfotos kann man ziemlich genau sagen, wie das Wetter wird. Dieses erleichtert die Durchführung des Fluges erheblich und sollte eigentlich jeden animieren, selbst einen solchen Flug zu wagen.


Christian Müssemeyer

 

Rimini 2002