Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Abschied von Tempelhof im September 2008

Wir hätten vielleicht nie darüber nachgedacht nach Berlin Tempelhof zu fliegen, wenn dieser Flughafen nicht geschlossen werden würde. Ende Oktober 2008 ist für Tempelhof aber Schluss und so  reifte irgendwann der Gedanke „einmal Tempelhof sehen“ bevor es zu spät ist.


Wir, Heiko und Wilfried Meertz, wollten also von EDDI/Berlin Tempelhof Abschied nehmen und mit der DA 20 D-EZIC möglichst im September noch einen Ausflug nach Berlin machen. Wir hatten die letzten 2 Wochen im September eingeplant und konnten unser Vorhaben am 19./20. 9. in Angriff nehmen.

Der Wettercheck am Vorabend des 19. September was sehr positiv und wir bereiteten uns mit leichtem Gepäck für den Zwei-Tages-Trip vor. Gafor meldete Charlie und Oscar für die gesamte Strecke, Wind 5–10 kts aus NNO. Wir waren um 09:00 UTC in Mönchengladbach und die DA 20 wurde gescheckt und gepackt.


Um 09:40 UTC bekamen wir Rollfreigabe über Taxiway Alpha zum Rollhalteort 31. Über Pflichtmeldepunkt Whiskey ging es raus aus der Kontrollzone Mönchengladbach und nach kurzem Südkurs ging es dann mit 80° und 80 Knoten nach Westen. Bei der Positionsmeldung über Whiskey war im Funk ein regelmäßiges Knacken zu hören. Ein Störgeräusch, das sich später noch erklären sollte.

Berlin wollen wir mit Zwischentanken in Ballenstedt/EDCB erreichen. Die Strecke von Mönchengladbach ging daher über Hilden, Wuppertal und Werdohl erstmal unter den „Deckeln“ verschiedener Kontrollzonen in den freien Luftraum. Über Meschede, Brilon und Warburg ging es Südlich der Kontrollzone Paderborn entlang. Langen Info war nicht besetzt und wir flogen ohne FIS. Die Sicht war perfekt und ging von Horizont zu Horizont. Erst über dem Harz erkannten wir eine Wolkendecke und etwas dunstigere Luftmassen. Wir entschlossen uns dennoch den Kurs südlich des Brocken bei zu halten und den Harz von Herzberg nach Thale zu überqueren.

Ballenstedt/EDCB ist ein freundlicher Platz am Süd-Ost-Ende des Harz. Asphalt Piste, Tankstelle, diverse Hallen (eine Halle ist von 1941), Turm, Flugvorbereitungsraum und sogar einen Mietwagen zur Erkundung der Region sind vorhanden. Freundliche Leute und ein sehr zu empfehlender Flugplatz.

Wir landeten in Ballenstedt um 12:07 UTC und hatten damit 2:26 h für die 180 NMeilen/333 km gebraucht.  Im Schnitt also 70 Knoten wie geplant. Nach Snack für uns und AvGas für die DA 20 ging es dann um 13:13 UTC wieder auf nach Berlin Tempelhof.

Die kurze Strecke von 90 NM flogen wir unter geschlossener, aber hoher Wolkendecke in 2000 ft. Die Kontrollzone Magdeburg und das EDR73 A/B/C südlich umflogen und nördlich am ERD54 vorbei. FIS bekamen wir von Bremen Info und uns schwante schon, dass wir nicht das einzige Flugzeug waren, das nach Tempelhof unterwegs war. Etwa ein Drittel aller Flugzeuge im Funk gaben an nach EDDI zu wollen. Kennzeichen und Sprachakzente aus ganz Europa waren zu hören, Niederländer, Österreicher, Briten, Schweden, etc. Tempelhof Turm haben wir dann kurz vor Whiskey 1 gerufen und mussten es noch dreimal tun, bis wir Antwort bekamen: „Standby you are number 3“.


Nahe bei Whiskey 1 und 12 Vollkreise später bekamen wir dann kurz und knapp die Genehmigung zum Einflug über die Whiskey Route am Treptow Kanal entlang.

Noch weit vor Whiskey 2 bekamen wir Freigabe für den direkten Anflug auf 09 L zur langen Landung. Und alles bitte zügig! Wir bestätigten und drehten nach links, gingen in den Sinkflug über und flogen den Queranflug und Endanflug mit 110–120 Knoten an.


Beeindruckend, diesen Flughafen anzufliegen. Den Flughafen, der ganz Berlin versorgen musste. Symbol der Luftbrücke und der Rosinenbomber.

Nach der Bahnhälfte aufgesetzt und dennoch ewig gerollt. Während unseres Anfluges und der Landung reihten sich diverse Echo-Klasse Maschinen nach uns ein, ein Christoph Rettungshubschrauber startete, eine Dornier 328 startete und eine DC 3 machte einen Überflug. Sehr schön emsig, hier in Tempelhof. Der „FollowMe“ holte uns am Taxiway ab und parkte uns in der Reihe der anderen Privatflieger. Alle in Tempelhof waren unter Zeitdruck aber freundlich. Wir schossen einige Photos und ließen uns von der Atmosphäre dieses Denkmals einfangen.  Der Hinflug war sehr beeindruckend und ein tolles Airlebnis.


Der Abend und Ausflug in die Stadt war wunderbar. Hier einige Bilder:



Was wir bis dahin noch nicht wussten: Das ELT war durch Erschütterungen beim Beladen aktiviert worden und wir sind damit durch die ganze Republik geflogen. Dies war auch die Ursache für die Funkstörungen, welche wir und Mönchengladbach hören konnten. Bitte achtet auch Ihr darauf, daß vor dem Start und nach dem Beladen das ELT kontrolliert wird und verifiziert ist, daß es nicht unbeabsichtigt sendet.

Rückflug von Temepelhof nach Mönchengladbach                                  

Das Wetter für den 20. September war in der Westhälfte der Republik CAVOK und im Osten zum Teil bewölkt, allerdings mit hohen Wolken. CU Bildung mit mäßiger Thermik möglich und Wind mit 5–10 Kts von NNO her. Rückenwind für uns und wir waren nach dem Frühstück auf dem Weg im Taxi nach Tempelhof.  Nach Zahlung von 70 Euro Lande- und anderen Gebühren und dem obligatorischen Sicherheitscheck spazierten wir auf dem Vorfeld zur DA 20 D-EZIC.

Die ersten Flugzeuge waren schon weg und die erste Schlange bildete sich vor dem Rollhalteort um 09:20 UTC als wir uns nach Check und Beladung auf den Weg machten. Da die DA 20 vollgetankt ist wollen wir direkt nach Grefrath zum erneuten (Mogas) tanken um dann nach Mönchengladbach weiter zu fliegen.


Der Controller hatte einen gut verständlichen amerikanischen Akzent und brachte uns schnell an den Rollhalt 09 L. Dort, ähnlich wie beim Einflug war Warten angesagt. Nach ein paar Minuten bekamen wir Startfreigabe, Rechtskurve und Whiskeyroute angewiesen. Um 09:26 UTC gaben wir Vollgas und filmten und fotografierten den Tempelhof „was das Zeug hielt“. Über Whiskey 2 und den Treptow Kanal entlang kamen wir schnell zu Whiskey 1 und verließen Kontrollzone und Frequenz. Vor Wiskey 1 war wieder was? Ein Stau!

Nördlich ging’s an ED-R 54 und ED-R 73 vorbei und wir stiegen erstmal auf 4.000 ft über die Basis und über die Kontrollzone Magdeburg. Die Wolkendecke war „scattered“ und Bodensicht war meistens gegeben. Die Wolkendecke stieg an und auch der Rückenwind nahm mit der Höhe zu. Wir stiegen auf 8.000 ft und hatten den wunderschönen blauen Himmel über uns. Der Wind schob mit bis zu 10-15 Kts und wir hatten eine VG von 100 kts oder mehr.

Der Harz und Paderborn wurde überflogen und vor der Kontrollzone Dortmund mussten wir runter auf 2.500 ft. Dann ging es wieder mit den üblichen 80 Kts weiter und wir flogen über ein thermisch aktives Ruhrgebiet über Krefeld nach Grefrath.

Mit Start um 09:26 UTC in Tempelhof/EDDI und Landung um 12:13 in Grefrath/EDLF waren wir 2:47 h unterwegs für 270 NM/500 km und mussten 40 Liter nachtanken. Mit ca. 100 NM/h hatten wir eine schnelle Heimreise.

Nachdem wir die DA 20 wieder mit Mogas aufgefüllt hatten ging es die 10 Minuten von Grefrath nach Mönchengladbach. Wenig fliegen und viel Funk und die Heimat des Aeroclub 77 hatte uns wieder.

Tempelhof ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wer die Möglichkeit noch hat, sollte vor Ende Oktober diesem historischen Fliegerdenkmal noch einen Besuch abstatten.


 

Heiko & Wilfried Meertz, September 2008

 

Tempelhof 2008