Aeroclub 77

Mönchengladbach



Airlebnis Fliegen...

 
 

Mit dem Motorsegler über die Alpen


Ein besonderes Erlebnis hatte Hans Wirtz, ein Pilot des Aeroclub Mönchengladbach 77 e.V. Er flog mit 71 Jahren mit einem Motorsegler zum ersten Mal über die Alpen. Am Freitag vor Pfingsten startete er zusammen mit seinem Vereinskollegen Christian Müssemeyer vom Flugplatz Mönchengladbach in einem modernen Kunststoffmotorsegler, einer G-109b, und flog zunächst bis ins Allgäu zum Flugplatz Leutkirch. Dort trafen sie auf sieben weitere Motorsegler, die sich zu einem gemeinsamen Flug über die Alpen nach Trient verabredet hatten.


Die Gruppe startete um 15.00 Uhr und flog in einem Verband von 8 Motorseglern über Kempten in Richtung Alpen. Bei Füssen wurde die deutsch- österreichische Grenze überflogen. Danach flogen die Motorsegler über den Fernpass, links und rechts lagen die wesentlich höher liegenden Berge der nördlichen Alpenkette. Nach Umfliegen der Lechtaler Alpen flog die Gruppe in das Inntal. Innsbruck blieb links vom Flugweg liegen, dahinter war die eindrucksvolle Kulisse der Nordalpenkette zu sehen. Rechts lag der Patscherkofels hinter dem der Motorseglerverband nach Süden zum Stubaital abbog. Es ging vorbei an den Zillertaler- und den Stubaier Alpen Richtung Brenner. Dort wurde die österreichisch-italienische Grenze überflogen, es ging weiter über Bozen nach Trient. Dort landete der gesamte Verband von 8 Motorseglern nach 1:45 Flugzeit.




Das Wetter für diesen Flug war hervorragend. Die Sichten waren überwältigend, so dass aus einer Höhe von fast 3.000 m das gesamte Alpenpanorama überschaut werden konnte. Ferner gab es an diesem Tag gute Aufwinde sowohl an den Hängen als auch durch die Thermik. Dieses führte dazu, dass die Motorsegler relativ schnell eine sichere Höhe von fast 3.000 m erreichen konnten, um über die Alpen zu fliegen. Hierzu waren natürlich Kenntnisse zum Segelfliegen erforderlich, denn es mussten die Hangaufwinde und auch die Thermik gefunden werden. Trotz dieser guten Höhe konnte nicht der direkte Weg von Leutkirch nach Trient geflogen werden, weil auf direktem Kurs höhere Berge liegen, die nicht überflogen werden konnten. Deshalb musste die Flugstrecke entlang der größten Alpentäler, nämlich das Inntal, des Stubaitals und das Etschtal gelegt werden.


In Trient traf die Gruppe auf eine Anzahl von Gebirgspiloten aus Frankreich und Italien, die mehrere Rundflüge über die Dolomiten sowie eine Landung auf dem 1900 m hohen Tonale Pass organisiert hatten.


Am Samstag führte ein einheimischer Pilot die Motorseglergruppe, mit seinem Motorsegler vom Typ RF-4, durch die Berge. Er flog vorweg, so dass die anderen Piloten nur hinterher zu fliegen brauchten. Der Flug führte zuerst von Trient in nördliche Richtung und dann nach Westen durch ein langes Tag zum Tonale Joch. Auf dem Tonale Joch liegt ein kleiner 800m langer Landestreifen, auf dem die Gebirgspiloten landeten. Dieses Wagnis gingen die Motorseglerpiloten nicht ein, denn ein Start in einer so großen Höhe war mit einem Motorseglerein ein zu großes Risiko.




Die Gruppe flog anschließend weiter am Ort Madonna di Campiglio vorbei Richtung Süden bis nach Tiane di Trento. Anschließend ging es durch das Ledrotal zum nördlichen Teil des Gardasee. Der Gardasee wurde überflogen, vor dem östlich des Sees liegenden Gebirgszug, dem Monte Baldo drehte die Gruppe nach rechts ab, flog Richtung Süden um den Monte Baldo herum, dann ging es zurück nach Trient. Dieser 2 stündige Flug war für alle teilnehmenden Piloten ein besonderes Erlebnis, weil die Sicht auf die Kulisse der hohen Gebirge, auf denen noch Schnee lag und wo auch noch Ski gelaufen wurde, sehr eindrucksvoll war. So etwas kann man nur aus einem Flugzeug sehen.


Am Pfingstsonntag wurde ein weiterer Rundflug zum Jonathan-Flugplatz organisiert. Dort trafen sich wiederum die Gebirgspiloten mit einer Anzahl weiterer Motorseglerpiloten. Am Pfingstmontag musste der Rückflug angetreten werden. Das Wetter war hierfür am Anfang nicht sehr verheißungsvoll, es regnete, der Brennerpass lag in den Wolken, so dass der Flug vorerst nicht angetreten werden konnte. Die Meteorologen des Wetteramtes München und Innsbruck machten den Motorseglerpiloten jedoch Mut und prophezeiten, es würde am Nachmittag besser werden. So konnte die gesamte Gruppe am Nachmittag gegen 15.30 Uhr in Trient starten und flog über Bozen, Meran durch das Etschtal zum Reschenpass. Das Wetter war inzwischen sehr gut geworden, Hans Wirtz führte mit seinem Copiloten Christian Müssemeyer die Gruppe an. Nach Überquerung des Reschenpasses in ca. 2.500m Höhe flog die Gruppe bei Landeck in das Inntal und von dort ging es Richtung Innsbruck. Kurz vor Innsbruck bog der Verband nach Norden ab und flog über Seefeld wieder aus den Alpen heraus. Nach einer halben Stunde Flugzeit landeten alle Motorsegler der Gruppe wieder in Leutkirch.


Hans Wirtz startete gegen 18.15 h in Leutkirch und flog zurück nach Mönchengladbach. Der Flug von Leutkirch ging direkt nach Speyer, von Speyer über den Hunsrück Richtung Koblenz, von dort entlang dem Rhein bis nach Köln, von dort nach Mönchengladbach, wo der Motorsegler gegen 20.30 Uhr wieder heimischen Boden erreichte. Es herrschte starker Rückwind, so dass eine Geschwindigkeit von teilweise 220 km/h über Grund erreicht wurden.
Nicht viele Piloten haben bis jetzt einen solch schönen Flug erleben können. Es ist schon etwas besonderes, mit einem Motorsegler über die Alpen zu fliegen vor allem, wenn man dieses in einem Alter von 71 Jahren noch kann.




Hans Wirtz hat erst im Alter von 60 Jahren im Aeroclub 77 in Mönchengladbach mit dem Fliegen angefangen. Bis dahin hatte er Modellflugzeuge gebaut und geflogen. Er hat inzwischen eine Vielzahl weiter Streckenflügen, durch Europa durchgeführt. und jeder dieser Flüge war ein Erlebnis für ihn. Diejenigen, die Interesse am Luftsport oder auch an einem Rundflug haben, sind gerne eingeladen, einmal einen Flug mit Hans Wirtz zu machen. Nähere Informationen können Sie erhalten unter: www.aeroclub77.de



 

Trento 2002